Bevor die BTU Cottbus am kommenden Dienstag in einer Vollversammlung die bisherige Debatte um die künftige Hochschulstruktur in der Lausitz bewerten will, hat Ministerin Sabine Kunst für die kommenden Wochen zum Mitmachen aufgefordert. Weit über die gesetzlich vorgeschriebenen Anhörungen hinaus wolle sie ein moderiertes Beteiligungsverfahren beginnen. Ministeriumssprecher Martin Sand betonte gegenüber der RUNDSCHAU, dass es darum gehe, auf dem Weg zur neuen Gesamtstruktur auch die innere Organisation so effektiv wie möglich und zukunftsfähig zu gestalten.

Beginnen könnte die Reihe von Workshops und Dialogveranstaltungen mit dem Thema "Organisation und Inhalt der Lehre". Vorbereitet würden aber auch ein Gedankenaustausch zur Forschung, zu Stärken und Schwächen sowie zur Ausgestaltung eines Zentrums zur Studierendengewinnung, wie es die Lausitzkommission vorgeschlagen habe. "Mir geht es darum", erklärt Sabine Kunst in einer Mitteilung des Ministeriums, "begründete Einwände wahrzunehmen. Diesen muss natürlich Sorge getragen werden, und das wird bei den anstehenden Entscheidungen auch geschehen." Der Sprecher verweist zugleich darauf, dass es in den Veranstaltungen mit Professoren, Studierenden und weiteren Interessierten nicht in erster Linie um den Streitpunkt "Kooperation zwischen Hochschule Lausitz in Senftenberg und BTU Cottbus oder Neugründung einer Energie-Universität?" gehen solle. Vielmehr sollten Potenziale beide Hochschulen in die gemeinsame Zukunft einfließen.

Die Wissenschaftsministerin wirbt in ihrer Erklärung zum breiten Beteiligungsverfahren für ihr Modell der Neugründung einer Energie-Universität Lausitz. "Die Lausitz-Kommission hat festgestellt, dass es dringenden Reformbedarf gibt. Der Hochschulstandort muss gestärkt und attraktiv gemacht werden, sodass eine Finanzierung mindestens in heutigem Umfang bei insgesamt sinkenden Landesmitteln vertretbar bleibt", schildert die Ministerin.

Eine gemeinsame Rechtsform ist nach Worten von Sabine Kunst der geeignete Rahmen dafür, dass diese Reform sinnvoll umgesetzt werden könne. "Dadurch würden keine Einrichtungen zerstört, keine Menschen entlassen, keine Studenten in die Ungewissheit geschickt. Auch die Wirtschaft in der Lausitz behält ihre möglichen Kooperationspartner", betont Kunst. Hingegen würden ohne eine Neugründung eine Vielzahl von Vereinbarungen und ein erheblich größerer Organisationsaufwand erforderlich. Kunst: "Die Mitglieder beider Hochschulen gestalten beim Schaffen eines gemeinsamen Daches durch Neugründung von Anfang an über Gremien die neue Universität."

Bis Ende 2015, so Kunst, seien in der Lausitz rund 70 Professuren neu zu besetzen - in den Fachbereichen, die auch der Bericht der Lausitz-Kommission empfehle. Diese Professuren sollten so ausgerichtet werden, dass interdisziplinäre Forschungskooperationen in den Profilbereichen Energie und Umwelt beflügelt würden. Solche Konstellationen versprechen eine hohe Forschungskompetenz und Innovationsdichte.

Es gehe nicht darum, dass künftig in der Lausitz jeder Student Energie studiert. Man studiert weiter Architektur, Biotechnologie oder Maschinenbau, aber kann Zusatzqualifikationen in Profilbereichen erwerben. So lässt sich eine noch größere Interdisziplinarität erreichen, die schon immer in der Lausitz angelegt war.