Obwohl Frauen landesweit fast die Hälfte der 1,1 Millionen Erwerbstätigen stellten, hätten sie noch immer schlechtere Berufschancen als Männer, sagte Ziegler zur Eröffnung der 16. Frauenwoche gestern in Potsdam.
Es sei zu fragen, warum Frauen im Durchschnitt immer noch länger arbeitslos seien als Männer, schlechter bezahlt würden und seltener auf Führungspositionen kämen. Obendrein gelte häusliche Gewalt oft noch als Kavalierdelikt, sagte Ziegler vor rund 100 Teilnehmerinnen der Auftaktveranstaltung.
Auch die Sozialpolitikerin der SPD-Landtagsfraktion, Esther Schröder, verlangte, Frauen mehr Chancen auf Führungspositionen in der Wirtschaft, im öffentlichen Dienst und in der Politik einzuräumen. 2004 hätten Frauen 23 Prozent solcher Posten in der deutschen Privatwirtschaft innegehabt; in den brandenburgischen Landesbehörden liege der allgemeine Frauenanteil bei 52 Prozent, im höheren Dienst jedoch nur bei 38 Prozent.
Geradezu überlebenswichtig sei, dass Frauen sich ihren Kinderwunsch erfüllen könnten, ohne beruflich ins Abseits zu geraten, betonte Ziegler. "Ohne Kinder sind wir ein armes Land und werden ein immer ärmeres Land." Hier sei eine neue Unternehmenskultur nötig. "Es muss wieder deutlich werden: Familien haben im Land Vorrang." Diesem Zweck soll laut Ziegler eine für das zweite Quartal geplante Kampagne mit Plakaten und Flugblättern dienen.
Besorgt äußerte sich die Politikerin über das zum Teil bedenkliche Rollen- und Selbstverständnis bei jungen Frauen und Männern. So fielen gerade junge Mädchen wieder in alte Muster zurück, indem sie zum Beispiel vorzugsweise Friseuse werden wollten statt technisch-gewerblichen Berufe mit Zukunft zu ergreifen. Aber auch die Männer müssten an ihrer Qualifikation und damit ihren Perspektiven arbeiten.
"Wir brauchen vor allem junge Frauen in Brandenburg", stellte Ziegler fest. Leider kehrten aber gerade gut qualifizierte Frauen dem Land den Rücken. "Die Männer, die sie hier vorfinden, sind nicht attraktiv, um ein Nest zu bauen." So gebe es bei ihnen mit acht Prozent zu viele Schulabbrecher. (dpa/mb)