Das sollten sich all jene vor Augen halten, die noch skeptisch sind. "Ob man mit einem Abitur in der Tasche oder einem Berufsabschluss samt Qualifizierung erfolgreicher studiert, vermag keiner zuverlässig zu sagen." In der Vorwoche hatte die Kultusministerkonferenz (KMK) in Stralsund beschlossen, Berufstätigen den Zugang zu den Hochschulen zu erleichtern. Demnach dürfen Meister und Techniker fortan jedes Fach ihrer Wahl studieren, sofern das entsprechende Landeshochschulgesetz dies ermöglicht. Das gilt für Universitäten und Fachhochschulen gleichermaßen, Eignungstests oder Probestudienzeiten sind nicht vorgesehen. Berufstätige mit mindestens zweijähriger Ausbildung und drei Jahren Berufspraxis bekommen künftig ein "fachgebundenes Zugangsrecht" - dabei muss das Studienfach in etwa ihrer bisherigen beruflichen Richtung entsprechen. Stange sprach von einem Durchbruch. "Wir müssen nun schnellstmöglich Sachsens Hochschulgesetz anpassen, das einen solchen Hochschulzugang bisher nur für Meister vorsieht." Das werde jedoch kaum bis zum Ende der Legislatur möglich sein. Die Ministerin rechnet allerdings nicht mit einem Massenansturm von Meistern und Technikern auf die Hochschulen. "Wer einen Meisterabschluss hat und ein Vollzeitstudium will, müsste aus seiner beruflichen Laufbahn aussteigen und seinen Lebensunterhalt anderweitig bestreiten. Das ist unrealistisch", sagte sie. Die Hochschulen seien aufgefordert, neben Vollzeitstudiengängen auch berufsbegleitende Studiengänge zu schaffen. Zugleich mahnte Stange eine bessere finanzielle Förderung Betroffener an. Es müsse auch für über 30-Jährige eine BAföG-Regelung geben. "Bei Studieninteressenten mit Berufspraxis kann ich mir vorstellen, dass die Firmen eine Freistellung erteilen und ein Stipendium zahlen." "Entscheidend ist, dass wir mehr Durchlässigkeit im Bildungssystem schaffen", betonte Stange. Die Menschen müssten die Chance haben, im Laufe ihres Lebens ein Hochschulstudium zu absolvieren, auch wenn ihr Bildungsweg zunächst anders verlief. "Momentan ist die Hochschule wie ein Closed Shop, der nur für 18 bis 30-Jährige geöffnet ist. Das entspricht nicht mehr den Anforderungen."