Er sei der festen Überzeugung, dass sie die richtige Wehrform für das Land sei, sagte Jung gestern auf einer Fachtagung in Berlin. Die Wehrpflicht gebe der Regierung den Spielraum, die Bundeswehr auf neue Herausforderungen einzustellen. Auch der Wehrbeauftragte des Bundestags, Reinhold Robbe, sagte, er sehe keine Alternative. Aber er mahnte: "Neue Konzepte sind notwendig, um die Wehrpflicht an die veränderte Sicherheitslage anzupassen." Als Gründe für den Erhalt des Pflichtdienstes für junge Männer nannte Jung die Sicherung des Betriebs der Bundeswehr im eigenen Land und damit die Entlastung der im Ausland eingesetzten Truppen. Die Wehrpflichtarmee sei auch die intelligentere Wehrform, weil sie die gesamte Bandbreite gesellschaftlicher Talente abdecke. "Eine Freiwilligenarmee wird immer teurer sein als eine vergleichbare Wehrpflichtarmee", sagte der Verteidigungsminister. Ferner führte Jung den Klimawandel als Argument an. Unwetter, Hochwasser und Sturmfluten würden auch in Deutschland künftig häufiger auftreten. "Schutz und Hilfeleistung für unser Land können jedoch nur mithilfe von Wehrpflichtigen und Reservisten dauerhaft und verlässlich sichergestellt werden." Nach Angaben des Ministers leisten derzeit 60 000 Männer ihren Grundwehrdienst. Die Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer (KDV) kritisierte, damit liege der Anteil der Männer eines Jahrganges, die tatsächlich Wehrdienst leisteten, bei unter 20 Prozent. KDV-Geschäftsführer Peter Tobiassen verwies zudem auf das veränderte Verhältnis zwischen Zivil- und Wehrdienst. Mittlerweile leisteten 90 000 Männer den Ersatzdienst - deutlich mehr als den eigentlichen Wehrdienst. Auch die Verteidigungsexperten der Bundestagsfraktionen Grüne, FDP und Linke kritisierten die Haltung des Ministers. Winfried Nachtwei (Grüne) sprach von einer "Pseudowehrpflicht", die von vielen jungen Männern als ungerecht empfunden werde. Die Wehrpflicht sei zu einer "Lotterie" verkommen, sagte Birgit Homburger (FDP). Paul Schäfer (Die Linke) forderte die Abschaffung des "willkürlichen Zwangsdienstes". dpa/ta