Der Leiter des Staatlichen Schulamtes Cottbus, Dietmar Wolter, war wortkarg, als er gestern das überraschende Einlenken im heftigen Streit um die neue Spitze des Niedersorbischen Gymnasiums verkündete. „Die Sachlage hat sich verändert, die Stelle des ständigen Vertreters des Schulleiters wird ausgeschrieben“ , sagte er. Minister Rupprecht habe das entschieden. Auf Nachfrage bestätigte er, dass nun Bedingung für den Job auch sorbische Sprachkenntnisse seien.
Die Schulkonferenz hatte darum lange vergeblich gekämpft (die RUNDSCHAU berichtete). Unterstützung bekam sie von der Stadt Cottbus als Schulträger, von der sorbischen Dachorganisation „Domowina“ , dem sorbischen Schulverein und dem Rat für sorbische Angelegenheiten beim Brandenburger Landtag. Bei der im Sommer notwendigen Neubesetzung der dreiköpfigen Schulleitung hatte das Schulamt den Vize-Leiterposten und die Stelle des Oberstufenkoordinators an deutschsprachige Pädagoginnen vergeben, die durch Schulschließungen ihren bisherigen Leitungsposten bereits verloren haben oder in einem Jahr verlieren. Die Schulkonferenz des Niedersorbischen Gymnasiums hatte diese Entscheidung als schweren Rückschlag ihrer Bemühungen um die Revitalisierung der niedersorbischen Sprache empfunden.
Die nun angeordnete Ausschreibung des Vize-Leiterpostens wurde gestern vom amtierenden Gymnasiums-Chef Werner Müller begrüßt: „Es ist erfreulich, dass das Schulamt nun durch den riesigen Protest der sorbischen Öffentlichkeit reagiert hat.“ Eine endgültige Lösung sei das aber noch nicht. Die deutschsprachige Oberstufenkoordinatorin, an deren Umsetzung festgehalten werde, müsse nun schnellstens so viel Sorbisch lernen, dass sie mit Schülern und Lehrern auf einfachster Ebene kommunizieren könne. Abstriche an den Bemühungen, so viel wie möglich im Schulalltag Sorbisch zu sprechen, werde es für die neue Kollegin nicht geben, so Müller.