Er sei in Eile gewesen. "Ihre Weigerung, uns passieren zu lassen" sei "in diesem Moment nur schwer verständlich" gewesen. Glos weiter: "Falls ich unwirsch reagiert haben sollte, bedauere ich dies." Sein Ärger sei jedenfalls "inzwischen verraucht". Der des Polizisten auch? Was war überhaupt passiert? Glos durfte am Dienstag Kanzlerin spielen: Stellvertretend für Angela Merkel (CDU) sollte er den kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew empfangen. Doch traf er dabei auf einen pflichtbewussten Beamten, der auftragsgemäß den fremden Wagen nicht durch eine Absperrung ließ. Anzunehmen ist, dass er Glos nicht erkannt hat, was vielen Zeitgenossen so gehen dürfte. Jedenfalls fuhr der Fahrer des Ministers daraufhin über den Fuß des Beamten. Des Schmerzes noch nicht genug, gab das Unfallopfer später zu Protokoll, dass Glos ihm auch noch mit dem Ende der polizeilichen Karriere gedroht habe. Was das Ministerium wiederum dementiert. Aussage steht gegen Aussage. Auf jeden Fall hat sich der Minister nicht beherrschen können, was auch ein bisschen verständlich ist angesichts des Stresses, den man hat, wenn man für ein paar Minuten Regierungschef sein darf, aber am deutschen Beamtentum zu scheitern droht. Andere haben in ähnlicher Aufregung dann auch schon mal die Nerven verloren, mitunter ihr Amt gleich mit: Bremens einstiger Wirtschaftssenator Peter Gloystein (CDU) zum Beispiel, der einem ihn nervenden Obdachlosen während der Eröffnung eines Weinfests in Bremen 2005 Sekt über den Kopf goss: "Hier hast du auch etwas zu trinken." Unvergessen auch der Tipp des damaligen SPD-Chefs Kurt Beck an den arbeitslosen Henrico Frank. Der Punk möge sich waschen und rasieren, dann würde er auch einen Job finden, riet ihm Beck Ende 2006. Einmal in Fahrt, pöbeln Politiker gerne gegen alles und jeden, mitunter sogar gegen die eigenen Berufsgenossen: Für einen der berühmtesten Aussetzer in der Politik hat der ehemalige Außenminister Joschka Fischer (Grüne) 1984 gesorgt, als er dem damaligen Bundestagsvizepräsidenten Richard Stücklen (CSU) zurief: "Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch!" Der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) verscherzte es sich gleich mit dem halben Land: "Ich akzeptiere nicht, dass der Osten bestimmt, wer in Deutschland Kanzler wird", sagte er 2005. "Wir haben leider nicht überall so kluge Bevölkerungsteile wie in Bayern." Die Beherrschung zu verlieren ist aber nicht allein ein deutsches Phänomen. So langt der französische Staatspräsident und Merkel-Freund Nicolas Sarkozy schon mal gerne kräftig daneben: Unlängst rief er einem älteren Mann, der ihm nicht die Hand geben wollte, zu: "Dann hau doch ab, du Blödmann."