Der Untersuchungsausschuss hat den Namen "Möglicher Amtsmissbrauch" bekommen. Ein knapper Titel für einen Vorgang, der schon bald abgearbeitet sein könnte. Ende nächsten Jahres könnte der Abschlussbericht vorliegen, schätzte der CDU-Obmann Jörg Geibert gestern ein. Das heißt so viel wie: Möglicherweise ist nicht allzu viel dran an der "Lau-inger-Affäre", der ersten handfesten Krise der rot-rot-grünen Erfurter Koalition. Und die kam so:

Der Jurist und Grünen-Politiker Dieter Lauinger ist seit 2014 Justizminister im Kabinett von Bodo Ramelow (Linke). Und er ist auch Vater zweier Kinder. Bei der Schule seines Sohnes soll er interveniert haben, dass dieser wegen eines geplanten Auslandsaufenthaltes nicht die in Thüringen geforderte "Besondere Leistungsfeststellung" ablegen muss. Denn von Rechts wegen hätte Lauingers Sohn nur nach Bestehen dieser Prüfung in die 11. Klasse versetzt werden können.

Diese Prüfung wollte Lauinger seinem Sohn gern ersparen. Laut seiner Schilderung gaben die Schule und das Regionalschulamt dafür auch grünes Licht. Nur das Bildungsministerium bestand auf der Prüfung und hob die Befreiung zunächst als rechtswidrig auf.

Lauinger rief also im Ministerium an, um mit der zuständigen Fachabteilung zu klären, warum sein Sohn kein Zeugnis ausgestellt bekommen sollte. So weit, so nachvollziehbar. Der Anruf hatte nur einen Haken: Lauinger rief aus seinem Ministerbüro an, er ließ sich sogar vorher von seiner Sekretärin verbinden. Zudem soll er sich in der Sache als "Minister Lauinger" am Telefon gemeldet haben. Aber dieses Detail ist schon nicht mehr erwiesen.

Im August kamen erste Vorwürfe auf, der Grünen-Minister habe aus dem Amt heraus für seinen Sohn Sonderkonditionen erwirken wollen. Die AfD forderte im Landtag Lauingers Rücktritt. Dass das, womit sich die Thüringer Parlamentarier da befassen werden, inhaltlich eher dürftig ausfällt, war auch in der CDU klar. Die setzte trotzdem den Untersuchungsausschuss durch. Damit wird das Sommerloch-Skandälchen zu einer Staatsaffäre. Ob die Thüringer Opposition keine wichtigeren Aufgaben kennt, "als einem Teenager wegen Pipifax die Jugend zu versauen", fragte schon im August die Süddeutsche Zeitung.

Aber für die Opposition geht es um mehr. Lauingers Sohnemann-Affäre bietet der abgesetzten Regierungspartei zum ersten Mal nach der Abwahl 2014 Gelegenheit zum Rückschlag gegen die Koalition aus Linken, SPD und Grünen. CDU-Obmann und Ex-Innenminister Geibert geht es nicht nur um ein mögliches Fehlverhalten Lauingers. Im Fokus stehen auch der Chef der Staatskanzlei, Benjamin-Immanuel Hoff, und Bildungsministerin Birgit Klaubert (beide Linke). Letztere hatte die Prüfungsbefreiung schließlich bestätigt. Die 62-jährige Klaubert hat bereits eingeräumt, dass die Sache "an vielen Stellen unglücklich gelaufen" sei. So habe die Schule eine Verwaltungsvorschrift aus dem Bildungsministerium falsch zitiert.

Lauinger selbst sagte zu seiner Aktion: "Ja, es war ein Fehler." Die Tatsache, dass er sich als Dieter Lauinger im Bildungsministerium gemeldet habe, erwecke "den Anschein einer unzulässigen Einmischung", erklärte der Minister in einer Stellungnahme.

Dem Ausschuss gehören elf Abgeordnete aller Fraktionen an. Man wolle gemeinsam "mit großem Engagement zügig und transparent aufzuklären", kündigte der Ausschussvorsitzende Knut Korschewsky (Linke) gestern an. An die Landesregierung geht der Ausschuss gleich zu Anfang mit einem "umfangreichen Auskunfts- und Aktenvorlageersuchen" heran. Die erste Sitzung ist für den 24. Januar geplant.