Nach acht Jahren Bauzeit ist damit die 137 Kilometer lange Trasse bis in die tschechische Hauptstadt - mit Ausnahme der noch immer umkämpften Lücke in Böhmen endlich fertig. Sie ist eines der letzten großen Autobahn-Neubauprojekte in Ostdeutschland. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) wird daher in gut 14 Tagen auf der Grenzbrücke zwischen Deutschland und Tschechien die neue Autobahn mit einweihen. Danach dürften Autofahrer von Dresden binnen anderthalb Stunden zum "Frühstück in Prag" sein.
Vor der Freigabe können noch einmal die Anwohner die Piste zu Fuß erkunden: Bei einem Volksfest am nächsten Sonnabend laden der Freistaat und das Landratsamt Sächsische Schweiz ab 14 Uhr zum "Tag der offenen Autobahn". Dazu gibt es Glühwein, Gegrilltes und einen Weihnachtsmann auf dem Motorrad. Abends wird die Strecke in ein einmaliges Lichtermeer verwandelt.
Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD), der gestern auf der Neubaustrecke bis Usti nad Labem (Aussig) eine erste Probefahrt machte, sieht die Strecke als Voraussetzung dafür, dass es in der ostsächsischen Region vorangeht, die Wirtschaftsräume zusammenwachsen und die Menschen näher beieinander rücken. Beeindruckt ist Jurk dabei vor allem vom Tempo der Tschechen. Wer die Bauarbeiten noch im Sommer sah, hatte arge Zweifel, dass die Verbindung bis zum Jahresende stehen würde. Doch die tschechische Seite ging nach der "chinesischen Methode” vor (so der Ulk im Wirtschaftsministerium). Zeitweise waren 1800 Bauarbeiter im Einsatz, während es in Deutschland nur 200 waren. Mit Erfolg. Die "D 8" steht voll vierspurig, nur Lärmschutzwände und Leitplanken müssen noch montiert werden. "Das imponiert mir”, sagt Jurk.
Heikel bleibt jedoch ein 16,5 Kilometer langer Tunnel-Brücke-Tunnel-Abschnitt zwischen Usti und Lovosice im böhmischen Mittelgebirge. Durch Klagen von Umweltschützern besteht dort nicht einmal Baurecht. Inzwischen habe der Staat mehr als 700 000 Euro in zwei rund 20 Kilometer lange Umleitungsstrecken und Ampelsysteme investiert, um den Verkehr abzuleiten, sagt Bauleiter Pavel Lany. Frühestens 2009 wird die Lücke geschlossen. Die letzten 70 Kilometer bis Prag sind dagegen schon lange in Betrieb. Gezahlt werden muss dennoch: Auf tschechischen Autobahnen besteht Vignettenpflicht.
Aufatmen können indes die übernächtigten Anwohner der B 170 bei Altenberg: Mit Eröffnung der A 17 wird die Durchgangsstrecke für den Schwerlastverkehr gesperrt.
Die A 17 zwischen der A 4 bei Dresden und der Grenze ist insgesamt 44,6 Kilometer lang und kostet 650 Millionen Euro. Auf tschechischer Seite werden für knapp 40 Kilometer lange D 8 mehr als 700 Millionen Euro kalkuliert. Auf deutscher Seite gibt es acht Anschlussstellen. Zudem mussten fünf Tunnel und zehn Großbrücken durch sieben hochsensible Umweltschutzgebiete gebaut werden. Allein die Umweltschutzmaßnahmen haben 25 Millionen Euro gekostet. In Tschechien mussten allein bis Usti 17 Brücken mit 5,5 Kilometern Länge sowie zwei Tunnel mit 2,6 Kilometern Länge gebaut werden.