Welch war vor drei Tagen zu Konsultationen mit Siniora und Parlamentspräsident Nabih Berri in die libanesische Hauptstadt gereist.Wichtigster Kritikpunkt der Libanesen an dem französisch-amerikanischen Entwurf für eine Resolution ist die Tatsache, dass der Abzug der israelischen Truppen aus dem Südlibanon dort nicht als Bedingung für eine Waffenruhe genannt wird. Inzwischen wird, auch nach Intervention der Arabischen Liga, über einen schrittweisen Abzug diskutiert. Der Generalsekretär der Liga, Amre Mussa, erklärte unterdessen, der Resolutionsentwurf enthalte rassistische Elemente. In einem heute veröffentlichten Interview mit der arabischen Zeitung "Al-Hayat" sagte Mussa: "In dem Entwurf wird die sofortige Freilassung der zwei israelischen Soldaten verlangt, während über die Freilassung der restlichen arabischen Gefangenen erst noch verhandelt werden soll, ist das, weil sie Araber sind?"

Indessen haben jetzt arabische und islamische Länder im UN-Menschenrechtsrat eine Verurteilung Israels wegen seines Vorgehens im Libanon gefordert. Ein zur Sondersitzung des Gremiums in Genf vorgelegter Resolutionsentwurf wirft Israel die massive und systematische Verletzung der Menschenrechte und internationaler Abkommen vor. Der von elf der 47 Mitgliedsländer unterzeichnete Entwurf verlangt außerdem die Entsendung einer Kommission, um die israelische Kriegsführung zu untersuchen.

Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Louise Arbour, rief alle Kriegsparteien zur Schonung der Zivilbevölkerung auf. Wahllose Angriffe seien ebenso untersagt wie der Missbrauch von Zivilisten als menschliche Schutzschilde. Die israelischen Luftangriffe dauerten ebenso an wie das Raketenfeuer der Hisbollah auf Nordisrael. Eine Untersuchungskommission müsse Menschenrechtsverletzungen auf allen Seiten untersuchen.

Finnland forderte im Namen der EU einen sofortigen Waffenstillstand. Die EU verurteile den Tod unschuldiger Zivilisten bei israelischen Luftangriffen ebenso wie die Raketenattacken der Hisbollah.