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| 18:28 Uhr

Berlin
Mindestvergütung für Azubis ab 2020 

 Friseurbetriebe haben ihren Lehrlingen im Jahr 2018 durchschnittlich 325 Euro (Ost) und 498 (West) bezahlt.
Friseurbetriebe haben ihren Lehrlingen im Jahr 2018 durchschnittlich 325 Euro (Ost) und 498 (West) bezahlt. FOTO: dpa / Britta Pedersen
Berlin. Die Bundesregierung plant erstmals eine gesetzliche Untergrenze für den Ausbildungslohn. Von Mathias Puddig

Wer im kommenden Jahr eine Ausbildung beginnt, soll dafür eine monatliche Vergütung von mit mindestens 515 Euro bekommen. Das geht aus einem Entwurf für das Berufsbildungsgesetz vor, den das Bundeskabinett Mittwoch beschließen will. „Wir wollen die berufliche Aus- und Fortbildung in Deutschland stärken. Dazu ist die Einführung einer Mindestvergütung für Auszubildende ein Schritt“, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). SPD-Chefin Andrea Nahles betonte:  „Damit schließen wir eine große Lohnlücke.“

Geplant ist, die Untergrenzen für das erste Ausbildungsjahr bis 2023 auf 620 Euro anzuheben. Allerdings sieht der Gesetzentwurf zunächst auch Ausnahmen vor, wenn sich die Tarifparteien darauf einigen.

In vielen Branchen liegen die durchschnittlichen Vergütungen für Auszubildende bereits jetzt über den geplanten Mindestwerten, in anderen bedeutet der Azubi-Mindestlohn jedoch eine gravierende Erhöhung. So haben Friseurbetriebe ihren Lehrlingen laut Bundesinstitut für Berufsbildung im vergangenen Jahr durchschnittlich 325 Euro (Ost) bzw. 498 Euro (West) bezahlt.

Der Zentralverband des deutschen Friseurhandwerks (ZDFH) warnt deshalb auch, dass die deutliche Anhebung zu einer Senkung der Azubiquote in der Branche führen könnte.

„Derzeit gibt es eine hohe Ausbildungsbereitschaft“, sagte ZDFH-Hauptgeschäftsführer Jörg Müller dieser Zeitung. Diese könnte aber kippen, wenn sich abzeichnet, dass die Betriebe vor der Anstellung von Azubis zurückschrecken, weil sie sich nicht rentiert. Müller erinnerte daran, dass vor allem „eher praktisch orientierte Jugendliche“ dieses Berufsfeld wählen. „Was passiert dann mit denen, die sich nicht berufen fühlen, den Bachelor zu machen?“ Ähnlich wie der Zentralverband des Deutschen Handwerks warnt auch Müller vor einem „Eingriff in die Tarifautonomie“. „Nach dem Mindestlohn ist das schon der zweite.“ ⇥Meinung Seite 8

 Friseurbetriebe haben ihren Lehrlingen im Jahr 2018 durchschnittlich 325 Euro (Ost) und 498 (West) bezahlt.
Friseurbetriebe haben ihren Lehrlingen im Jahr 2018 durchschnittlich 325 Euro (Ost) und 498 (West) bezahlt. FOTO: dpa / Britta Pedersen