"Ausgewiesene Fachkräfte lassen sich nicht mit Hungerlöhnen gewinnen", meinte Hermsdorfer gemeinsam mit CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer, der Forschungspolitiker im Bundestag ist. Sogar die SPD applaudierte. Doch die beiden Christdemokraten haben die Rechnung offenbar ohne den Wirt gemacht.
Denn der Vorstoß ist nicht mit der CDU-Fraktion abgestimmt - und der amtierende Arbeitskreisleiter, Geographieprofessor Karl Mannsfeld, tritt jetzt mächtig auf die Bremse. "Durch höhere Gehälter für eine Handvoll Spitzenforscher bekommen wir noch lange keine besseren Studienbedingungen", sagt Mannsfeld. "Dass die Unis mit ein paar herausragenden Spitzenleuten ihr eigentliches Kerngeschäft - die Lehre und Betreuung der Studenten - besser erfüllen, ist mitnichten der Fall." Wichtiger als horrende Gehälter seien neue Investitionen. Außerdem würden derzeit schon flexiblere Möglichkeiten für eine leistungsgerechte Bezahlung geschaffen.
Wenn die CDU-Fraktion aber vom Haushaltsentwurf der Regierung abweiche, sei das ein starkes politisches Signal. "Da müssen wir uns sicher sein, dass wir das Vorhaben als die vordringlichste und wichtigste Aufgabe ansehen", sagt Mannsfeld. Wer eigene Ideen umsetzen wolle, müsse anderen etwas wegnehmen. "Der Landtag wird kein zusätzliches Geld auftreiben."
Kritik übt der frühere Kultusminister aber auch an der Art des Vorstoßes von Hermsdorfer. "Diese frühzeitig in die Welt gesetzte Diskussion war nicht gerade hilfreich für ein geordnetes Verfahren", so Mannsfeld. "Man sollte vorher mit den Entscheidungsträgern sprechen." Erst nächsten Donnerstag aber werde der Arbeitskreis Wissenschaft erstmals über den Etat beraten und auch die Finanzer und der Koalitionspartner müssten noch gefragt werden. Pikant dabei: Eigentlich leitet Hermsdorfer den Wissenschafts-Arbeitskreis. Seit die Staatsanwaltschaft Chemnitz jedoch gegen ihn wegen Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt, lässt er den Posten ruhen - und wird von Mannsfeld vertreten.
Im Landtag wird zurzeit sowohl das neue Hochschulgesetz als auch der nächste Doppelhaushalt für 2009/2010 beraten. Diese Phase will Hermsdorfer für seinen Vorstoß nutzen.