Laut "Focus" erwarten die Kidnapper für die Freilassung von René Bräunlich und Thomas Nitzschke knapp zehnMillionen Euro. Dagegen sind der "Süddeutschen Zeitung" zufolge an den Krisenstab bedeutend niedrigere Summen herangetragen worden. Ein Sicherheitsbeamter sagte dem Blatt, solche Berichte würden nur den Entführern helfen, weil sie an den Reaktionen erkennen könnten, was gehe und was nicht.
Dem "Focus"-Bericht zufolge schließt die Bundesregierung nach eingehender Analyse des jüngsten Geiselvideos nicht aus, dass die vor mehr als zweieinhalb Monaten gekidnappten René Bräunlich und Thomas Nitzschke inzwischen an eine schwerkriminelle Gruppe "weiterverkauft" wurden. Die mehrfach geänderten politischen Forderungen der Geiselnehmer sollten den eigentlichen kriminellen Hintergrund der Entführung kaschieren.
In Leipzig versammelten sich am Donnerstagabend 300 Menschen zur mittlerweile 22. Mahnwache für die beiden Techniker der Firma Cryotec.
Unterdessen nimmt die Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten im Irak kein Ende. Gestern starben in Bakuba vier Menschen, als nach dem Gebet Sprengsätze vor zwei sunnitischen Moscheen explodierten. Acht weitere Sunniten wurden verletzt. Bei einem Selbstmordanschlag in der 60 Kilometer nordöstlich von Bagdad gelegenen Stadt waren erst zwei Tage zuvor 31 Schiiten vor einer Moschee getötet worden. In Safranija südlich von Bagdad trafen während des Freitagsgebets zwei Mörsergranaten die Rückseite einer schiitischen Moschee, in der sich Anhänger des radikalen Predigers Muktada al-Sadr versammelt hatten. Zwei Gläubige wurden verletzt.
In der schiitischen Pilgerstadt Kerbela gab ein Vertrauter des einflussreichen Großajatollah Ali al-Sistani in seiner Freitagspredigt den Vertretern der größeren Fraktionen im Parlament die Schuld an der Anarchie im Lande. "Es gibt eine Vertrauenskrise zwischen den Parteien, die bei der Wahl gesiegt haben, und ich gebe ihnen die Verantwortung für die Verzögerung (bei der Regierungsbildung) und für die schlechte Sicherheitslage, sagte Ahmed al-Safi vor rund 1000 Gläubigen.
Der sunnitische Rat der Religionsgelehrten erklärte, Beamte einer Sondereinheit des Innenministeriums seien in Bagdad in das Haus von Scheich Abdel Karim al-Dulaimi eingedrungen und hätten den sunnitischen Prediger erschossen. Diese Einheit habe sich auf "ethnische Säuberungen" spezialisiert. (dpa/kr)