Westlich von Jena konnten Autofahrer bisher eine Reise in die Frühzeit der Autobahnen erleben. Die kurvige Piste der A4 aus den 1930er-Jahren schlängelt sich steil den Berg hinauf; dabei rollte der Verkehr auf unterschiedlich hohen, durch Stützmauern getrennten Fahrbahnen. Wenn er denn rollte. Denn wegen vieler Unfälle gab es bei Autofahrern häufig Frust statt Nostalgie. Nun wird das letzte Nadelöhr auf einer der wichtigsten deutschen Ost-West-Verkehrsachsen gänzlich Geschichte. Und der aufwendige Ausbau der Autobahn 4 in Thüringen und Sachsen steht vor dem Abschluss.

3,5 Milliarden Euro sind laut Bundesverkehrsministerium seit Anfang der 1990er-Jahre in den Ausbau der Autobahn 4 von der hessisch-thüringischen Grenze bis zur Grenze nach Polen geflossen. Damit wurde die Strecke großteils auf sechs Spuren erweitert und in Ostsachsen überhaupt erst auf vier Spuren neu gebaut. Denn dort endete die Autobahn einst hinter Bautzen. Auf Resten der Strecke lagerten Teile der staatlichen Getreidereserve der DDR in großen Hallen. DDR-Bürger erinnern sich zudem noch gut, wie man einst bei Stau schlicht wenden und auf der Gegenfahrbahn bis zur letzten Abfahrt zurückfahren konnte - Leitplanken waren Fehlanzeige.

Seit Öffnung der deutsch-deutschen Grenze ist der Verkehr auf der Strecke jedoch sprunghaft gestiegen, und ein Ende dieser Entwicklung ist auch wegen des Transitverkehrs nicht in Sicht. 1980 waren laut Ministerium auf der A4 bei Jena im Schnitt etwa 14 000 Fahrzeuge pro Tag unterwegs, 1993 waren es rund 45 000. Bis 2010 stieg die Zahl auf 58 000 und 2030 sollen es 66 000 sein, davon rund 15 000 Lastwagen.

Die 385 Millionen Euro teure Neubautrasse zwischen Jena-Göschwitz und Magdala soll an diesem Donnerstag zunächst für den Verkehr in Richtung Erfurt freigegeben werden, Mitte November dann auch in Fahrtrichtung Dresden.

Trotz Freigabe des letzten A4-Neubauabschnitts bleibt das Verkehrsprojekt "Deutsche Einheit Nummer 15" unvollendet. Denn dazu gehört der Bau der Autobahn 44, die bei Eisenach von der A4 abzweigt und zur A7 bei Kassel führt. Doch da klafft eine gewaltige Lücke: Von der 69 Kilometer langen Strecke sind bisher nur 6,7 Kilometer fertig. Zudem steht ein weiteres Projekt an der A4 an: Der Ausbau des Hermsdorfer Kreuzes. Die Kosten dafür werden aktuell auf etwa 60 Millionen Euro geschätzt.

Komplett durchgängig von Aachen im Westen bis Görlitz im Osten - wie einst vor Jahrzehnten angedacht - wird die A4 freilich auch künftig nicht. Es sei nicht vorgesehen, die Lücke zwischen dem Kirchheimer Dreieck in Hessen und Olpe in Nordrhein-Westfalen zu schließen, sagte die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, Katherina Reiche.