Auf die Frage, wie lange er noch durchhält, antwortet Steffen Gröber nicht sofort. "Nicht mehr allzu lang", sagt der Landwirt schließlich zögernd und verschränkt die Hände. Der 61-Jährige ist Geschäftsführer des Landwirtschaftsbetriebs "An der Dresdner Heide" in Großerkmannsdorf, nur wenige Kilometer von Dresden entfernt. Jammern ist nicht sein Ding, der Bauer packt lieber zu - und die Probleme an. Aber die derzeitige Situation macht ihm und seinem Betrieb mit mehr als 50 Beschäftigten zu schaffen.

Seit mehr als einem Jahr sind die Preise für Milch im Keller, bundesweit klagen die Landwirte über herbe Verluste. Um einen Liter herzustellen, braucht ein Betrieb etwa 35 Cent. Derzeit bekommen die Milchbauern aber nur zwischen 25 und 26 Cent.

Betriebe schaffen Kühe ab

Das sorgt überall im Land für Probleme bei Landwirten. Zwei aktuelle Beispiele aus dem Elbe-Elster-Land: Die Saxdorfer Agroland GmbH hat bereits im Oktober des vergangenen Jahres begonnen, die Milchproduktion einzustellen. Inzwischen hat sie alle 400 Milchkühe abgeschafft. "Wir haben jeden Monat eine fünfstellige Zahl Miese gemacht. Das ging so nicht mehr weiter", sagt Geschäftsführer Günter Barth. Auch um die Agrargenossenschaft Schradenland in Schraden macht die Misere in der Landwirtschaft keinen Bogen. Dort sind alle 260 Milchkühe abgeschafft worden. Die Milchproduktion ist damit eingestellt.

Laut Landesbauernverband haben alleine in Sachsen bis Ende 2015 acht Betriebe aus wirtschaftlichen Gründen die Milchproduktion komplett aufgegeben. Andere fahren sie zurück. Insgesamt produzieren etwa 900 Höfe in Sachsen rund 1,6 Millionen Tonnen Milch pro Jahr. In Brandenburg gaben im vergangenen Jahr laut Landesbauernverband 25 Betriebe (drei Prozent) auf.

Erst vor wenigen Tagen verfassten Sachsens Landwirte einen offenen Brief an Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Darin fordern sie eine Entschädigung für die vergangenen 15 Monate und führen als Gründe die Verluste auf dem russischen Markt wegen des Embargos an. "Es kann nicht sein, dass ein politischer Konflikt auf dem Rücken von uns Bauern ausgetragen wird", heißt es in dem Schreiben. Nach Vorstellung der Landwirte sollte die Entschädigung bei vier Cent pro Liter Milch und 30 Cent je Kilogramm Schweinefleisch liegen. Das sächsische Landwirtschaftsministerium hält diese Forderung, die europaweit umgesetzt werden müsste, für "nicht finanzierbar".

Der Brandenburger Landtag hatte kürzlich ebenfalls die Not der Landwirte thematisiert und faire Milchpreise für die Bauern und eine Stärkung der landwirtschaftlichen Betriebe gefordert. Nicht hinnehmbar seien Milchlieferverträge, die Bauern zur Abgabe bestimmter Mengen zwängen, sagte der agrarpolitische Sprecher der CDU, Andreas Gliese.

In Sachsen bietet das Ministerium zinsgünstige Darlehen, mit denen Bauern kurzfristig Schwierigkeiten überbrücken können. "Das hilft zwar erstmal, muss aber auch zurückgezahlt werden", sagt Cindy Gröber, die im väterlichen Betrieb bei Dresden für die Buchhaltung zuständig ist.

Hilft eine neue Quote?

Die Milchmenge durch eine neue Quote zu reduzieren, hält der Hauptgeschäftsführer des sächsischen Verbandes, Manfred Uhlemann, nicht für die Lösung. Auch die Umstellung auf Bio würde den Betrieben langfristig nicht helfen. "Wenn das Angebot steigt, würden die Preise für Biomilch auch wieder einbrechen." Stattdessen sei es sinnvoll, neue Exportmärkte zu erschließen. Dabei sei auch die Politik gefragt.

Brandenburgs Landesbauernverbands-Präsident Udo Folgart sieht das ähnlich: "Schätzungsweise rund drei Cent mehr könnten die Landwirte für die Milch erlösen, wenn die Handelsbeziehungen mit Russland eine Normalisierung erfahren würden und Russland wieder als Nachfrager auf dem deutschen Markt präsent wäre."