Milbradt hatte sich mit dem Kabinett in die Einsamkeit desÖrtchens Machern bei Leipzig zurückgezogen. Ungestört wollte ersich zwei Tage lang Gedanken über die Zukunft Sachsens machen undeine Zwischenbilanz ziehen, zehn Monate nach seiner Wahl zumMinisterpräsidenten. Die Bilanz fiel, wie könnte es auch anderssein, positiv aus. Die Verabschiedung des Doppelhaushaltes seireibungslos durchgegangen, für den so genannten Hochschulkonsens,einem Vertragswerk zwischen dem Freistaat und seinen Hochschulen,bestünden gute Chancen.
Der Ministerpräsident geht von einem Scheitern des Volksbegehrens„Zukunft braucht Schule“ aus, das vor allem auf kleinere,wohnortnahe Schulen abzielt. Die CDU hatte dem Volksbegehreneinen eigenen Entwurf, das so genannte „Bessere Schulkonzept“ ,entgegen gestellt. Sollte das Volksbegehren tatsächlichscheitern, die Unterschriftensammlung gestaltet sichoffensichtlich schwieriger, als von den Initiatoren angenommen,wird der CDU-Entwurf im Mai in den Landtag eingebracht, umdeutlich zu machen, dass die CDU ihr Versprechen halte, wieMilbradt formuliert. Im Herbst, nach den Sommerferien, solle danneine zweite Reformstufe folgen. Über deren Inhalt allerdingsmochte sich der Ministerpräsident nicht weiter äußern.

Klartext mit Ministern geredet
Im Bereich Wirtschaft und Arbeit soll Minister Martin Gillo (CDU)frischen Wind in die Wirtschaftsförderung bringen, Sachsen wolleein mittelstandsfreundliches Land sein, sagt Milbradt, und einsicheres dazu. In Sachsen soll deshalb das modernsteKatastrophenschutzgesetz Deutschlands erarbeitet werden.
Die zwei Tage hinter den verschlossenen Türen des Schlosses inMachern waren für Milbradt aber offensichtlich auch dieGelegenheit, mit seinen Ministern Klartext zu reden und dieRegierungspannen der vergangenen Monate auszuwerten. So gefälltes dem Chef gar nicht, wenn seine Minister in allerÖffentlichkeit Meinungsverschiedenheiten austragen, wie etwaWirtschaftsminister Martin Gillo (CDU) und Umweltminister SteffenFlath (CDU) beim umstritten Neubau einer Bundesstraße oder beimElbeausbau.

Kompromiss ist möglich
Auch der Streit um den Wiederaufbau der LeipzigerUniversitätskirche und das politisch unglückliche Agieren seinesWissenschaftsministers Matthias Rößler (CDU) in den vergangenenWochen kann Milbradt kaum erfreut haben, auch wenn Milbradt esvermied, den Namen Rößlers zu nennen.
Erst nach dem Studium von Gesprächsprotokollen war derMinisterpräsident zu der Erkenntnis gelangt, dass es keinerÄnderung des umstrittenen Kabinettsbeschlusses bedarf, der denWeg für einen Wiederaufbau der Kirche frei macht. Ein Kompromissmit den Kirchengegnern sei möglich , sagt Milbradt, und so wie eres sehe, werde dort eine Kirche entstehen, die als Aula genutztwerden könne.