Allerdings werde sich das Land nicht auf die Rolle des Geldgebers reduzieren lassen und auf seinen Gestaltungswillen verzichten, aber ein Kompromiss sei möglich. Auch über einen neuen Architekturwettbewerb könne gesprochen werden.

Aufbau nicht beschlossene Sache
Der Wiederaufbau der Paulinerkirche sei mitnichten beschlossene Sache, der Universität sei lediglich eine Alternative angeboten worden, die Provokation empfunden wurde, lautete die von Milbradt vorgetragene Lesart des Dresdner Kabinettsbeschlusses, der damit seinen Wissenschaftsminister Matthias Rößler (CDU) zurücknahm, der vor einer Woche einen entschieden strengeren Ton angeschlagen hatten. Das war von der Leipziger Universitätsleitung als Nötigung empfunden worden und hatte den Rücktritt von Universitätsrektor Volker Bigl zur Folge (die RUNDSCHAU berichtete).
Zu Rößler mochte sich Milbradt nicht äußern. Vielmehr war er bemüht, den Schwarzen Peter an die Leipziger Universitätsleitung weiterzuschieben. Die Universität und ihr Rektor habe mit der Rücktrittsdrohung begonnen und wie es in den Wald hineinruft, so schalle es eben heraus. Er, Milbradt, sei schon vor seiner Zeit als Ministerpräsident zu der Erkenntnis gelangt, dass der Paulinerverein, der die Paulinerkirche wieder aufbauen will, von der Universität ernster genommen werde müsse. Der Verein sei stets mit den Argumenten, es sei kein Geld da und da ließe sich nichts anderes machen, abgewiesen worden. Nach dem unbefriedigend verlaufenen Architekturwettbewerb habe der Freistaat diese Ausrede aus dem Weg geräumt und die Diskussion eröffnet. Dabei gehe es nicht nur um eine Kirche, sondern um „einen Punkt deutscher Geistesgeschichte“. Jetzt würden von der Univ ersität Aussagen zum Kern der Sache erwartet.
Den Rücktritt Bigls kommentierte Milbradt mit Unverständnis. Bigl sei bereits im November über die Absicht der Staatsregierung informiert gewesen. Es sei erwartet worden, dass die Universität danach in Gespräche mit dem Freistaat eintritt. Den Boykott der Hochschulkonsensgespräche durch die Leipziger Universität sieht Milbradt gelassen und will einen Zusammenhang mit der Paulinerkirche nicht akzeptieren. Er habe den Eindruck, dass die anderen Universitäten und Hochschulen in Sachsen an den Verhandlungen sehr interessiert seien. Wer zu so drastischen Mitteln greife wie die Leipziger Universität müsse auch sehen, wie man von den Bäumen wieder herunter komme.

Heute protestieren Studenten
Das sehen Sachsens Studenten derzeit noch anders. Sie machen wegen der Uni-Kirche gegen Wissenschaftsminister Matthias Rößler (CDU) mobil. Für heute hat die Konferenz Sächsischer Studierendenschaften (KSS) eine Demonstration zum Ministerium angekündigt. Grund sei das Vorgehen Rößlers bei dem umstrittenen Wiederaufbau der Kirche, sagte KSS-Sprecher Daniel Großmann. „Das Vertrauen in Rößler ist erschüttert“.
Der hochschulpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im sächsischen Landtag, Cornelius Weiss, forderte die Rückkehr zur Rechtsstaatlichkeit und schnellen Baubeginn auf der Grundlage vorliegender, gemeinsam beschlossener Pläne. Außerdem verlangt Weiss, der von 1991 bis 1997 Rektor der Leipziger Uni war, eine öffentliche Entschuldigung von Milbradt und Rößler beim Rektor Volker Bigl. Er und drei Prorektoren hatten vergangene Woche aus Protest über die Befürwortung zum Wiederaufbau ihre Ämter niedergelegt. (Eig. Ber./rah/dpa)