Die größten Einschnitte wird es beim Personal geben, das mehr als ein Viertel des Landesetats verschlingt und dessen Kosten wegen der Ost-West-Angleichung weiter steigen. Bis 2010 sollen daher mehr als 6400 Stellen wegfallen - fast die Hälfte davon im Innenbereich. Somit konnte sich Minister Albrecht Buttolo (CDU) nicht durchsetzen, der allein bei der Polizei 2441 Stellen kürzen muss, aber nur 1114 abbauen will. Da dieses Ziel durch Altersabgänge bei den Beamten allerdings "objektiv nicht erreichbar" ist, so Milbradt, dürfen die Kürzungen länger dauern. Zudem kann Buttolo mit einem kleinen Einstellungskorridor von mindestens 100 Stellen rechnen.
Angesichts der heftigen Einschnitte gingen Buttolo und sein Justizkollege Geert Mackenroth (CDU), der ebenfalls hart betroffen ist, mit einer eigenen Erklärung in die Offensive: "Der Stellenabbau darf nicht zu Einbußen bei der inneren Sicherheit führen", betonten sie. Daher werde nach dem Abzug der Bundespolizei beim Wegfall der Schengen-Grenzen 2011 der Stellenabbau erneut überprüft. Dies wurde sogar in einem Zusatzprotokoll vereinbart.
Der ehrgeizige Plan, die Gesamtzahl der Landesbediensteten auf 80 000 zu begrenzen, wird damit über 2010 hinaus verschoben. Dafür verhängte das Kabinett ab sofort einen Einstellungsstopp, um hastige Neueinstellungen der Behörden kurz vor der Angst zu verhindern. Das Credo des Haushalts hatte Milbradt vorgegeben: Sachsen solle sich mit am schnellsten auf das Sinken der Gelder aus Berlin und Brüssel einstellen und seinen Etat zurechtstutzen. Denn: "Wir sollen weiter politische Spielräume haben, so der Regierungschef, "und unser eigener Herr sein." Auch wenn es für Einsparungen wie bei der Polizei "Prügel" geben werde.
Doch dafür, so betonte Jurk, würden die nächsten zwei Jahre die letzten sein, in denen Sachsen überhaupt noch neue Kredite aufnimmt. Ab 2009 gebe es keine Neuverschuldung mehr. Mit dieser Entscheidung war indes Kultusminister Steffen Flath (CDU) gescheitert, der schon 2007 auf neue Kredite verzichten wollte. Milbradt baute ihm aber eine goldene Brücke: Man müsse ja nicht unbedingt die vereinbarten 150 und 50 Millionen Euro weitere Schulden machen. Darauf baut auch Flath: Er werde weiter dafür kämpfen, unter den maximalen Krediten zu bleiben, sagte Flath der RUNDSCHAU.
Bis Ende Juni will das Kabinett den exakten Haushalt aufstellen und dem Landtag übergeben. Die FDP kritisierte aber bereits, der Koalition sei außer dem Rotstift "wieder nichts eingefallen". Die Grünen sahen eine "Harmonieerklärung", die zwar intern die Wogen glätte, aber keine Weichen für die Zukunft stellte.

Hintergrund Sparhaushalt
  Der Jahresetat Sachsens sinkt von derzeit 15,5 Milliarden Euro auf 15,3 Milliarden 2007 und 14,9 Milliarden 2008.
Der Personalabbau im Innenressort beträgt 3091 Stellen, in der Justiz 1010, im Finanzressort 892 sowie bei Umwelt und Agrar 633.
3,9 Milliarden EU-Gelder werden zu 78 Prozent für Wirtschaftsförderung und Infrastruktur und zu 22 Prozent für Bildung und Ausbildung genutzt.