Der Unternehmer erhielt 25,5 Prozent der Stimmen und verwies den ultrarechten Ex-Bürgermeister von Santiago, Joaquín Lavín, mit 23,3 Prozent auf den dritten Platz. Abgeschlagener Vierter wurde der Linkskandidat Tomás Hirsch mit 5,4 Prozent.

Einst über 50 Prozent prognostiziert
Auch wenn die 54-jährige Bachelet die Herausforderung der Stichwahl kämpferisch annahm, ist das Ergebnis doch eine Enttäuschung für die Regierungskandidatin. Noch bis vor wenigen Wochen hatten die Umfragen der früheren Gesundheits- und Verteidigungsministerin einen Sieg in der ersten Runde vorausgesagt. "Lassen wir uns nicht täuschen. Derjenige, der Zweiter wurde, kann nicht so tun, als sei er Erster geworden", rief Bachelet ihren Anhängern angesichts der Siegesgewissheit Piñeras zu.
Noch am Wahlabend begannen die Rechenspiele und der Wahlkampf für die zweite Runde. Sowohl das rechte als auch das linke Lager vereinigen jeweils etwa 50 Prozent der Stimmen auf sich. Daher rechnen politische Beobachter in den kommenden Wochen mit einem harten Wahlkampf.
Analysten bezweifeln aber, dass die Stimmen von Lavín automatisch in das Lager von Piñera wechseln. Dafür seien die Entwürfe der beiden Kandidaten zu unterschiedlich und ihre Antipathie zu groß. Während Lavín früher dem Diktator Augusto Pinochet huldigte und die alten Werte Gott, Familie und Vaterland verkörpert, ist Piñera ein gemäßigter, moderner Rechter. Er stimmte 1988 im Referendum gegen weitere acht Jahre Pinochet an der Macht. Der 56 Jahre alte Unternehmer und Finanzjongleur nennt ein Vermögen von 1,3 Milliarden Dollar sein Eigen.
Ein Großteil der Unterstützung für Bachelet resultiert aus der Zufriedenheit der Bevölkerung mit Präsident Ricardo Lagos, der eine Zustimmungsrate von rund 70 Prozent hat. Seit die Concertación 1990 die Macht übernommen hat, hat sich Chile zu so etwas wie dem Musterländle Lateinamerikas entwickelt. Nach den 17 Jahren der Diktatur ist der schmale Andenstaat ein Hort politischer Stabilität und wirtschaftlicher Prosperität geworden. Sowohl Bachelet als auch Piñera bewerben sich zum ersten Mal um das höchste Staatsamt in Chile. Der Sieger der Stichwahl tritt im März die Nachfolge von Lagos an.

Concertación dominiert Parlament
Bei der zeitgleich stattfindenden Parlamentswahl erreichte die Concertación, der mehr als ein Dutzend Parteien angehören, erstmals seit Ende der Pinochet-Diktatur die Mehrheit. Im Senat entfielen auf das Mitte-Links-Bündnis 56,2 Prozent der Stimmen, während die Rechtsallianz auf 33,6 Prozent kam. Erstmals seit dem Ende der Militärdiktatur wurde die obere Parlamentskammer ausschließlich durch Wahl bestimmt, seit die vor allem vom Militär designierten Senatoren abgeschafft wurden. Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus stimmten 51,75 Prozent der Wähler für die Concertación. Für die Rechtsparteien stimmten 38,69 Prozent der Wähler. "Heute haben die Chilenen in ihrer Mehrheit dafür gestimmt, dass die Concertación an der Macht bleibt, um die notwendigen Reformen umzusetzen", sagte Noch-Präsident Lagos nach der Wahl.