Eine weise Entscheidung, denn außer seiner Gesundheit hat Platzeck eigentlich nichts zu verlieren: Angesichts der Umfragewerte der Brandenburger SPD kann derzeit nicht die Rede davon sein, dass es 2014 ein Rennen um den Posten des Ministerpräsidenten geben wird. Es sei denn, der Herausforderer Michael Schierack dreht nun den Regler auf. Am Freitag jedenfalls äußerte sich der Landesvorsitzende der Brandenburger CDU zum Thema "Haasenburg".

Einem Thema, das bislang nur von den Fachpolitikern der Fraktionen behandelt wurde - etwa dem Linken-Abgeordneten Torsten Krause, dem FDP-Bildungspolitiker Andreas Büttner oder von der Grünen-Abgeordneten Marie-Luise von Halem.

Und während Grüne, FDP und Linke in den vergangenen Tagen die Schließung der umstrittenen Kinderheime forderten, sprang Schierack der SPD-Bildungsministerin Martina Münch zur Seite. "Es ist unverantwortlich, wenn Linke, Grüne und FDP die geschlossene Unterbringung abschaffen wollen, ohne zu sagen, was mit den schwererziehbaren Kindern und Jugendlichen danach passieren soll", sagte der CDU-Politiker. In der Brandenburger Sozialdemokratie wird man dererlei gern hören - denn bislang war es eher selten, dass prominente Christdemokraten einem Mitglied der Landesregierung Rückendeckung gaben. Oft genug lautete die Unionsdevise eher "Fundamentalopposition".

Natürlich, auch Schierack forderte Münch auf, jeden Zweifel an einer Verletzung der Fürsorgepflicht des Ministeriums auszuräumen. Doch das ging in der Pressemitteilung fast schon unter - und mit den Prügeln, die etwa der Ministerpräsident für seine Rolle in der Flughafenpolitik von der Union bezieht, war es gar nicht zu vergleichen. Doch die einzig realistische Option für die CDU, im Land Regierungsverantwortung zu übernehmen, ist nach Lage der Dinge eine Große Koalition. Und da kann es nicht schaden, auch einmal zu sagen, wo man Gemeinsamkeiten sieht.