Im Gegenzug solle der Konzern zusichern, die Ortschaft selbst stehen zu lassen, sagte Bürgermeister Horst Bruchmann (parteilos). Bei der Mibrag stieß dieser Vorschlag auf strikte Ablehnung.
"Das ist alter Wein in neuen Schläuchen", sagte Unternehmenssprecherin Angelika Diesener. Der Entwurf spiegele lediglich die Diskussion von vor zehn Jahren wieder. Schon damals sei die Umbaggerung des Ortes als nicht machbar abgelehnt worden. Ein Kompromissvorschlag sei überhaupt nicht erkennbar. Kommt kein Vertrag zustande, muss der Streit gesetzlich geregelt werden. Die Staatsregierung arbeite bereits daran und werde bis zum Sommer einen Gesetzesentwurf in den Landtag einbringen, sagte Bruchmann.
Er ließ jedoch keinen Zweifel daran, dass die Gemeinde auch gegen ein erneutes Heuersdorf-Gesetz klagen werde. An dem Grundproblem, dass die Abbaggerung und Umsiedlung des Ortes nicht mit dem gesetzlich erforderlichen Gemeinwohl begründet werden könne, habe sich nichts geändert. Heuersdorf-Anwalt Christian Held sagte, die Chancen, dass ein neues Gesetz vor einem Gericht Bestand haben wird, seien sehr gering.
Der jetzt von der Gemeinde vorgeschlagene Vertragsentwurf sieht laut Held vor, dass die Heuersdorfer die 765 Hektar unbewohnte Gemarkung abtreten, die zur Gemeinde gehören. Dadurch könne die Mibrag bis auf knapp 200 Meter an die Ortschaft heran die Braunkohle abbaggern. Im Gegenzug müsse die Mibrag die Lärm- und Schmutzbelastung so weit reduzieren, dass ein Leben im 35 Hektar großen Dorf weiter möglich ist. Zudem solle sie die bereits entschädigten Grundstücke zu einem symbolischen Preis an die Gemeinde rückübertragen. Der bisherige Streitpunkt - die 40 Millionen Tonnen Braunkohle unter der Ortslage , die in dem benachbarten Kraftwerk Lippendorf verstromt werden sollen - bliebe davon jedoch unberührt, sagte Bruchmann.
Die Mibrag nannte den Vertragsentwurf "wirtschaftlich untragbar und menschlich unzumutbar". Vor allem der Vorschlag der Rückübertragung der bereits gekauften Flächen stieß auf Ablehnung. Rund 16 Millionen Euro seien bereits in die Entschädigung der Einwohner geflossen, erklärte Mibrag-Rechtsdirektor Bernd Heggemann. Bürgermeister Bruchmann sagte, der Konzern müsse sich angesichts der ungeklärten Situation überlegen, wie viel ihm eine Rechtssicherheit wert ist. Es existiere keine Rechtsgrundlage für eine Abbaggerung, weil der erste Heuersdorf-Vertrag aus dem Jahr 1995 von der Gemeinde nie unterzeichnet und das erste Heuersdorf-Gesetz vom sächsischen Verfassungsgericht gekippt worden sei.