Der in seiner Partei heftig umstrittene Grünen-Politiker Oswald Metzger hat aus der CDU ein öffentliches Angebot zum Parteiwechsel erhalten.

„Metzger hat eine klare ordnungspolitische Überzeugung, er hat Mut und kämpft für seine Überzeugung. Das imponiert mir. Den könnten wir in der Union gut gebrauchen“, sagte Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) der „Bild“-Zeitung (Montag). Metzger war in die Kritik seiner Parteifreunde geraten, nachdem er sich abfällig über Sozialhilfe-Empfänger geäußert hatte.

Zwischen den Grünen und ihrem einstigen Finanz-Star im Bundestag scheint das Tischtuch nach einem heftigen Schlagabtausch auf dem Grünen-Parteitag zerschnitten. Zwar kam es in Nürnberg noch nicht zum Bruch, es zeichnete sich aber auch keine Versöhnung ab. Der baden-württembergische Landtagsabgeordnete will am Dienstag in Stuttgart bekanntgeben, ob er der Partei den Rücken kehrt und sein Mandat zurückgibt. Dem Vernehmen nach würde ihm ein Austritt extrem schwer fallen. Er ist seit 20 Jahren Grünen-Mitglied.

Auslöser für die Eskalation war Metzgers Äußerung in einem Interview, viele Sozialhilfe-Empfänger sähen „ihren Lebenssinn darin, Kohlehydrate oder Alkohol in sich hineinzustopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen“. Namhafte Grüne forderten eine Entschuldigung. Parteichef Reinhard Bütikofer rügte auf dem Kongress: „Ich halte es nicht für gut, auf den Gefühlen Benachteiligter herumzutrampeln.“ Er fordere nicht Metzgers Parteiaustritt. Aber er solle seinen Fehler zugeben: „Ich sage nicht, Oswald gehe, ich sage, Oswald gehe in Dich.“

Als Metzger am Samstag in der Sozialdebatte auf dem Parteitag erst nach Stunden erstmals ans Mikrofon kam, wirkte der sonst so selbstbewusste Redner nervös und gedrückt. In seiner Drei-Minuten-Ansprache verhaspelte er sich mehrfach. So kannten die Grünen ihn nicht. Metzger beklagte, dass ihm die Parteitagsregie nicht schon früher am Tag die Gelegenheit zu einer Rede gegeben habe.

Er bedauerte nichts, aber er führte aus, worum es ihm eigentlich gegangen sei: Um die Kinder der Sozialhilfe-Empfänger. Dieser Halbsatz in seinem Interview war in den Folgetagen fast immer untergegangen. Es sei ihm nicht darum gegangen, Leute in schwierigen sozialen Umständen zu stigmatisieren, sagte Metzger. Er würde vielmehr in ihre Ausbildung und Betreuung investieren, statt ihnen allein mit Geld zu helfen. Denn Bildung komme den Kindern zu Gute.

Metzger steht für einen stark realpolitischen Kurs der Grünen. Milliarden-Forderungen ohne ein Konzept der Gegenfinanzierung sind ihm ein Gräuel. Einen Parteiaustritt wollte der 52-Jährige davon abhängig machen, „wieviel Realitätssinn“ beim Parteitag herrscht. Immerhin wehrten die Grünen den Antrag auf ein Grundeinkommen für alle und ohne Bedarfsprüfung ab.

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel erklärte: „Mit der Abstrafung von Oswald Metzger haben die Grünen ihrem kompletten bürgerlichen Flügel einen Abschiedstritt verpasst.“ Über Metzger wurde bei den Grünen das Gerücht verbreitet, er wolle entweder bei der CDU oder der FDP auf einen Listenplatz für die nächste Bundestagswahl kommen. Dafür gab es aber keine Bestätigung.