M erkel kennt die Spielchen der Medien. Mit wem wird sie eine Koalition eingehen wollen? Mit der SPD? Mit den Grünen? Das ist die Frage des Tages. "Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit", lautet ihre Antwort. Merkel ruft um 9 Uhr Sigmar Gabriel an. Der erste Kontaktversuch mit dem SPD-Chef misslingt. Um 11 Uhr probiert sie es erneut, diesmal bekommt Merkel Gabriel an die Strippe. Beide vereinbaren, den Konvent der Sozialdemokraten am kommenden Freitag abzuwarten, bevor man überhaupt so etwas wie eine Sondierung beginnt.

Doch mit dem Anruf ist klar, wo Merkels Präferenzen vorerst liegen: wohl eher bei der Großen Koalition. Jedenfalls versucht sie nicht, jemanden aus der Grünen-Spitze zu kontaktieren. Warum auch? Die Marschrichtung, die sich die CDU am Tag nach der Wahl in ihren Gremien verordnet, ist eindeutig: In der Ruhe liegt die Kraft. Die Überlegenheit des Sieges wird voll ausgekostet.

Die Jubelstimmung des Wahlabends ist im Konrad-Adenauer-Haus sowieso noch nicht verflogen, man klatscht sich in den Sitzungen, so oft es geht, gegenseitig Beifall. Zwar sei die Union klug beraten, "grundsätzlich gesprächsbereit" mit beiden Parteien, also mit SPD und Grünen zu sein, sagt der Niedersachse David McAllister nach den Besprechungen. "Doch beide brauchen jetzt Zeit, sich zu ordnen", ergänzt Merkels Stellvertreter Armin Laschet aus Nordrhein-Westfalen. Sollen die anderen erst einmal ihre Personalprobleme regeln, lautet die Botschaft der Christdemokraten.

Das gilt aus Sicht der Unions-Granden allerdings mehr für die Grünen als für die Sozialdemokraten: Auch wenn die Jüngeren in der Parteispitze wie Julia Klöckner es am Morgen vor den Kameras vorsichtig anders versuchen, für die meisten CDU-Mitglieder scheint die Ökopartei nach wie vor eine "Zumutung" zu sein, wie einer behauptet. Vor allem dann, wenn der bisherige Spitzenkandidat der Grünen, Jürgen Trittin, dort weiter eine führende Rolle spielen sollte. Er und seine Steuerpläne sind das rote Tuch für die Schwarzen. Fällt Trittins Name, wird insbesondere den Vertretern des für Merkel so wichtigen Wirtschaftsflügels in der Union angst und bange, wie sie unumwunden zugeben .

Und dann hat ja auch noch die CSU ein gehöriges Wörtchen mitzureden, die in Bayern mit knapp 50 Prozent nicht unwesentlich zum Wahlerfolg der Kanzlerin beigetragen hat. Mit ihr muss sich Merkel bei der Wahl des künftigen Koalitionspartners eng abstimmen. Von München aus lässt CSU-Chef Horst Seehofer die Schwesterpartei in Berlin nach einer Vorstandsitzung dann auch gleich wissen, es gebe "überhaupt keine Bereitschaft" für ein Bündnis mit den Grünen. "Ich habe heute niemanden gehört, der mich aufgefordert hätte, mit den Grünen zu reden." Eine klare Ansage ist das.

Bei Merkel hat es den Anschein, dass sie die ganze Hektik und Aufregung sowieso nicht nachvollziehen kann. Sie plane ein Bündnis mit dem Ziel, "dass wir in vier Jahren als Land besser dastehen als heute", betont sie bei ihrer Pressekonferenz. Dafür benötige man eine stabile Regierung. Aber nach der Wahl müsse doch jeder erst einmal analysieren, "wo er steht". In der Ruhe liegt die Kraft .