" Sie jedenfalls - mal zur Abwechslung ganz sparsame Hausfrau - fühle sich damit "auf dem richtigen Weg".
Den hat sie nun auch in der EU-Klima-Politik vorgegeben. Im hartnäckigen Ringen erreichte sie schließlich ihr Ziel: Der viel zitierte "Paradigmenwechsel" in der Energiepolitik der EU war vollzogen. Und dazu das Signal: "Wir sind handlungsfähig." Es verschafft Merkel den Rückenwind, den sie braucht, um die EU bis zum Ende der deutschen Präsidentschaft im Juni aus ihrer Verfassungskrise zu holen.

Zweiter großer Erfolg Merkels
Die Kanzlerin hatte mit sehr großem Einsatz gespielt. Am Ende hat sie bei ihrem ersten Auftritt als "Gipfel-Chefin" - nach der Lösung der EU-Finanzkrise Ende 2005 - ihren zweiten großen Erfolg in der Union errungen. "Wir geben ein Signal der Handlungsfähigkeit." Wenn er in der Umsetzung so verbindlich bleibt wie in der Zielsetzung, wird dieser Kurswechsel in der Klimapolitik in Europa mit ihrem Namen verbunden bleiben.
Das hatte noch vor wenigen Wochen ganz anders ausgesehen. Merkel zog aber in Brüssel zur richtigen Zeit die richtigen Register. Der Gipfel hatte kaum begonnen, da suchte sie zunächst die Verständigung mit Jacques Chirac. Der scheidende französische Staatspräsident wollte "seine" Atomenergie in die Bilanz der umweltschonenden Energieträger gewissermaßen als Modell einbringen. Als Chirac den deutschen Vorgaben zustimmte, bröckelte auch die Front der anderen Nein-Sager. Merkels Argumente überzeugten schließlich alle. Europa weltweit als Vorreiter neuer Technologien mit damit ausgelösten neuem Industriepotenzial und Arbeitsplätzen - mit dieser Vision gewann die sonst eher nüchterne Naturwissenschaftlerin auch die letzten Zweifler. Dabei bewährte sich wieder das "System Merkel": Heikles zunächst ausklammern, beharrliches Argumenti eren, dem Gesprächspartner das Gefühl geben, er habe auch etwas durchgesetzt und dabei strikt am Ziel festhalten.

Mit dem Schwung des Gipfels
Mit dieser Methode und dem Schwung des Gipfel-Erfolgs will die Kanzlerin nun an die Lösung der Verfassungskrise der EU gehen. Das Kapital an Vertrauen dafür hat sie sich in Brüssel erarbeitet. Ihre Kollegen gaben ihr das Mandat für die Formulierung der "Berliner Erklärung", die in zwei Wochen feierlich den Gemeinschaftsgeist der 27 Staaten - 50 Jahre nach Beginn der europäischen Einigungsbewegung - begründen soll. "Wir haben jetzt freie Hand", freute sie sich. Und EU-Kommissionschef José Manuel Barroso war begeistert: "Der Geist ist da!".
Wer das neue "EU-Wir-Gefühl" letztlich "kurz, verständlich, für die Bürger lesbar" in Worte fassen wird - dieses Geheimnis in der EU wollte Merkel in Brüssel nicht lüften. An der Abfassung der "Berliner Erklärung" würden viele arbeiten. Der wiederholt genannte Groß-Dichter Hans Magnus Enzensberger gehöre nicht zu diesem Kreis, "obwohl er dazu fähig wäre", wich Merkel gezielten Fragen dazu aus.