Ihre G8-Präsidentschaft wolle sie nutzen, das Thema auch mit den Spitzen der führenden Industrienationen zu beraten. "Ich glaube, dass Bremen ein Synonym werden kann für eine neue europäische Aids-Initiative", sagte Merkel. Die Bundesregierung hat HIV und Aids zum gesundheitspolitischen Hauptthema ihrer EU-Ratspräsidentschaft gemacht. Wichtigste Veranstaltung dazu ist die bis heute andauernde EU-Ministerkonferenz in Bremen.
Merkel forderte die Diskussionsteilnehmer auf, konstruktive Wege bei der Aids-Prävention zu erarbeiten. Auch dort müsse das positive Denken Platz finden. "Wir als Europäer haben mit Sicherheit die Verantwortung, alles zu tun, um dieser Krankheit auch zu Leibe zu rücken", sagte Merkel. Es müsse ein Verbundnetz der Politik mit den international tätigen Hilfsorganisationen aufgebaut werden. Billigeren Aids-Medikamenten müsse ein besonderes Augenmerk gelten.
Die Deutsche Aids-Stiftung appellierte zu Konferenzbeginn an die Länder Osteuropas, der dortigen Zunahme der HIV-Infektionen durch eine verstärkte staatliche Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Gruppen entgegenzuwirken. Auch in Osteuropa müssten die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, damit Selbsthilfe ihre Kraft entfalten könne.
Zum Auftakt hatte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) eine bessere Prävention und bezahlbare Behandlungsmöglichkeiten überall in Europa gefordert. HIV-Infizierte dürften nicht diskriminiert werden, erklärte Schmidt. Weil Aids noch nicht heilbar sei, müsse man zudem alle Anstrengungen auf die Verhinderung der Ansteckung konzentrieren.
Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) bezeichnete die Krankheit als eine "globale Kata strophe". "Wir werden HIV/Aids nur erfolgreich bekämpfen und besiegen können, wenn wir das gemeinsam tun", betonte sie und forderte ebenso wie Schmidt eine enge Kooperation mit Hilfsorganisationen. Das Thema Aids werde die Menschen noch Jahrzehnte beschäftigen.
Mehrere Prominente sicherten dem Kampf gegen Aids ihre Unterstützung zu. "Das Gefahrenbewusstsein nimmt ab. Wir müssen noch besser aufklären", forderte die Schauspielerin Gudrun Landgrebe. Der Fußballprofi Per Mertesacker befand, dass Aids in seiner Generation "eine abstrakte Krankheit" ist. "Der Schutz vor Aids muss so selbstverständlich werden wie Zähneputzen." (AFP/dpa/ta)

Zum Thema 30 Millionen Aids-Tote
 Seit Anfang der 80er-Jahre sind mehr als 30 Millionen Menschen weltweit an Aids gestorben. 2006 waren laut dem UN-Aids-Programm Unaids 39,5 Millionen Menschen infiziert, 4,3 Millionen hatten sich neu angesteckt. Zwei Drittel aller Infizierten leben in Afrika südlich der Sahara .
In Deutschland sind laut Robert-Koch-Institut 56 000 Menschen HIV-positiv. 2700 steckten sich 2006 neu an. An Aids erkrankt sind in der Bundesrepublik 8700 Menschen.