Merkel nutzte am Sonntag ihren Auftritt in der ARD-Sendung "Anne Will", um sich als über den Parteien stehende Kanzlerin darzustellen: "Ich werde meine Aufgaben bis zur Bundestagwahl erfüllen. Ich kann nur jedem raten, genau dasselbe zu tun." Merkel gab sich fast präsidial. Müntefering solle nicht so viel "herummosern", blieb ihre einzige Spitze. Ob sie nicht mal zurückschlagen wolle gegen die Kritik, wurde sie gefragt. "Jeder hat seine Art zurückzuschlagen", antwortete die Kanzlerin. "Schweigen kann es auch mal sein." Die CDU-Chefin ließ sich nicht aus der Reserve locken. Als ihr vorgehalten wurde, die Bürger wüssten, wofür Konrad Adenauer stand und selbst Gerhard Schröder, aber nicht, was ihre Linie sei, antwortete Merkel, dass eine Bewertung im Rückblick immer klar sei. Sie aber stecke noch mitten in der Arbeit. Wenn Merkel überhaupt parteipolitisch austeilte, dann in Richtung FDP. Die mache sich mit der Ablehnung einer Enteignung der angeschlagenen Hypo Real Estate "einen schlanken Fuß". Guido Westerwelle beschwerte sich prompt: Es sei ihm aufgefallen, dass Merkel sich schärfer mit seiner Partei auseinandergesetzt habe als mit den Sozialdemokraten, monierte der FDP-Chef. "Das war Wahlkampf." Die SPD war am Montag bemüht, die Wogen wieder zu glätten. "Wir müssen bis zum 27. September die Probleme, die dieses Jahr noch kommen, auch gemeinsam lösen", sagte etwa SPD-Vize Andrea Nahles. Franz Müntefering suchte schon am Sonntag im ZDF den Eindruck des beginnenden Wahlkampfes zu zerstreuen. "Es wird regiert, und zwar so lange, wie wir in der Regierung sind, und das ist bis zur Bundestagswahl." In den Talkshows und den Reaktionen danach wurde freilich ein Streitpunkt deutlich: Opel. Die SPD hat sich inzwischen darauf festgelegt, dass der Staat dem Unternehmen in jedem Fall helfen soll, und zwar zur Not auch mit einer direkten Staatsbeteiligung. Bei VW sei das sehr erfolgreich, sagte Nahles. Merkel sagte dagegen bei "Anne Will", man habe "zurzeit" nicht die Absicht, sich an Opel zu beteiligen, sondern wolle mit Bürgschaften helfen, falls es einen Investor gebe. "Diesen Konflikt kann man nicht mehr übertünchen", sagte SPD-Vize Andrea Nahles.