Noch vor wenigen Monaten wäre der deutsch-französische Rettungsplan für die Euro-Zone ein Paukenschlag gewesen: eine Schuldenbremse für alle EU-Länder, härtere Sanktionen für Defizitsünder und eine Art europäischer „Wirtschaftsregierung“ mit monatlichen Spitzentreffen. Doch angesichts der dramatischen Lage in der Euro-Zone blieb das große Aufatmen nach dem Auftritt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy am Montag in Paris aus: Die Börsen legten zwar leicht zu, machten aber erst einmal keine großen Freudensprünge.

Ein „Befreiungsschlag“ sollte der deutsch-französische Vorstoß sein – so hochgeschraubt jedenfalls waren die Erwartungen an das Tandem Merkel-Sarkozy in der eskalierenden Euro-Krise. Die Kanzlerin dämpfte zwar umgehend überzogene Hoffnungen: Die Krise sei nicht gleichsam „über Nacht“ zu überwinden, mahnte sie im Bundestag am Freitag. „Die Bewältigung der Staatsschuldenkrise ist ein Prozess und der wird Jahre dauern.“ Dennoch wurde von Berlin und Paris ein großer Wurf erwartet.

Merkel und Sarkozy präsentierten ihre gemeinsamen Vorschläge als Paket, durch das das Vertrauen der Anleger in die Euro-Zone wieder hergestellt werden soll. „Die Absicht Europas ist, aus seinen Fehlern zu lernen“ und sich an die Regeln zu halten, versicherte Merkel. „Faule Kompromisse“ solle es nicht mehr geben. Vielmehr hoben Sarkozy und Merkel hervor, wie wichtig es sei, dass Deutschland und Frankreich gemeinsam in dieser „extrem schweren Krise“ agieren.

Tatsächlich ist der deutsch-französische Plan das Ergebnis gegenseitiger Zugeständnisse. Die von Deutschland gewünschten Vertragsänderungen mit automatischen Sanktionen für Defizitsünder sollen zwar kommen, doch soll der Europäische Gerichtshof nicht über nationale Haushaltsbudgets entscheiden dürfen. Dafür soll der Gerichtshof aber die Einhaltung von Schuldenbremsen in den einzelnen Ländern überwachen. Unklar ist noch, wie genau die Defizite in nationalen Haushalten kontrolliert werden sollen und wieviel Macht die EU-Kommission dabei erhalten soll. Frankreich ist gegen eine weitgehende Abgabe von nationaler Souveränität. Die Details sollen erst in einem Brief an EU-Ratspräsident Herman van Rompuy in dieser Woche aufgeschrieben werden.

Bei ihrem Kompromiss blieben beide auch beim großen Streitthema Europäische Zentralbank (EZB). Während mehr und mehr Experten nach einem stärkeren Eingreifen der EZB in der Schuldenkrise rufen und Merkel mit ihrer Ablehnung europaweit zunehmend allein steht, verzichtet Paris schon seit einigen Tagen darauf, hier noch zusätzlich Öl ins Feuer zu gießen. Die Formel lautet: Die EZB ist unabhängig und entscheidet selbst.

Einigkeit demonstrierten beide bei ihrer Ablehnung von Euro-Bonds wie sie die EU-Kommission gefordert hatte. Und einig sind sich Merkel und Sarkozy auch darin, dass ihr Plan möglichst rasch umgesetzt werden soll. Schon am Donnerstag und Freitag beim EU-Gipfel sollen die anderen Länder klar sagen, ob sie mitziehen wollen oder nicht. „Wir haben keine Zeit“, unterstrich der französische Präsident. Die Krise sei „extrem ernst“ – und wenn nicht alle 27 EU-Länder den Änderungen zustimmen wollen, dann soll dies eben mit den 17 Euro-Staaten umgesetzt werden. „Wir sind fest entschlossen, die Entscheidung bei diesem Rat herbeizuführen“, pflichtete Merkel bei und fügte hinzu: „Im März soll der Vertrag ausgehandelt sein.“