"Es war ein gutes und konstruktives Gespräch, getragen von dem gemeinsamen tiefen Anliegen der immerwährenden Mahnung der Schoah für die Menschheit", teilten Vatikan-Sprecher Pater Federico Lombardi und der Sprecher der Bundesregierung, Ulrich Wilhelm, am Sonntag in einer gemeinsamen Presseerklärung mit. Der Papst und die Kanzlerin hätten in "großem gegenseitigen Respekt" ihre Haltungen ausgetauscht. Das Gespräch kam auf Wunsch Merkels zustande. Zu Verstimmungen zwischen Merkel und dem Papst war es gekommen, nachdem die Kanzlerin eine klare Haltung des Vatikans im Fall Williamson angemahnt hatte. Unionspolitiker und einige Bischöfe sprachen von einer nicht akzeptablen Einmischung in Kirchenangelegenheiten. Am Mittwoch verlangte der Papst von Williamson einen Widerruf. Merkel sprach daraufhin von einem "wichtigen und guten Signal". Unterdessen erklärte Williamson, seine Meinung zum Holocaust vorerst nicht zu widerrufen. Williamson begründete im "Spiegel"-Interview seine Verweigerung des vom Papst geforderten Widerrufs damit, er wolle zunächst die historischen Beweise für millionenfachen Mord an den Juden prüfen. "Und wenn ich diese Beweise finde, dann werde ich mich korrigieren. Aber das wird Zeit brauchen", sagte Williamson in seiner ersten öffentlichen Äußerung zu dem Streit. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, rief die Katholiken unterdessen zur "Solidarität untereinander wie auch mit dem Papst" auf. "Zweifellos haben die Ereignisse dieser Wochen der katholischen Kirche geschadet", schrieb Zollitsch in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Wie Politiker und andere Kirchenvertreter forderte auch er einen Ausschluss des Holocaust-Leugners Williamson aus der Kirche. Inzwischen mehren sich die Anzeichen für eine Austrittswelle empörter deutscher Katholiken. "Spiegel"-online verwies auf Angaben von Standesämtern und Amtsgerichten in deutschen Städten über sprunghaft gestiegene Austritte. dpa/ck