Dabei haben es andere Staatsgäste Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in ihrem ersten Amtsjahr schon leichter gemacht als Kaczynski am Montag. Meist wird bei Antrittsbesuchen, zu denen auch die Visite des Polen im Kanzleramt zählte, viel gelächelt und mitunter sogar gescherzt.

Steinerner Gast aus Warschau
Doch Kaczynski präsentierte sich bei seinem öffentlichen Auftritt in Berlin die meiste Zeit starr - ganz untypisch für einen europäischen Politiker seiner Bedeutung. Fast steinern, nur ab und zu den Anflug eines Lächelns zeigend, stand der Regierungschef aus Warschau neben der Kanzlerin.
Merkel bemühte sich nach Kräften, dem Treffen dennoch eine gewisse freundliche Note zu verleihen. Bemüht zeigte sie Kaczynski, wie er den "Knopf im Ohr" für die Simultan-Übersetzung anbringen soll. Völlig erfolglos war die Charme-Offensive nicht: "Es gelang, das Eis in gewisser Weise zu brechen, manche Angelegenheiten wurden voran gebracht", sagte Kaczynski gestern in einem Interview. Enthusiasmus klingt anders, das noch vor wenigen Jahren beschworene "Wunder der Versöhnung" zwischen Deutschland und Polen ebenso. Doch angesichts des Misstrauens, das das Klima in den vergangenen Monaten zu vergiften drohte, ist selbst dieses spröde Lob ein Fortschritt.
Die Beziehungen bleiben auch nach dem Berliner Treffen schwierig. Bei der Ostsee-Pipeline, der Behandlung von Rückgabeansprüchen deutscher Vertriebener und dem Gedenken an die Vertreibung gibt es weiter gravierende Meinungsunterschiede. Merkel machte dabei deutlich, dass die Bundesregierung Klagen von Privatpersonen aus Deutschland in Polen gar nicht juristisch ausschließen könnte. Dennoch will Kaczynski aber nach wie vor mehr als die bloße Erklärung, dass die Regierung solche Rückforderungsansprüche nicht unterstütze.

Verständnis hier, Härte dort
"Ich bin der Meinung, es lohnt sich, da noch mehr zu machen. Darüber sollen die Rechtsanwälte reden", betonte Kaczynski, der selbst Jurist ist. Während er in Berlin noch ein gewisses Verständnis für die deutsche Haltung erkennen ließ, zeigte er in Warschau Zähne: "Ich habe gesagt, dass sich unsere Beziehungen ohne eine Lösung dieser Angelegenheit nicht zum Guten wenden", betonte er. Denn mit Entschiedenheit gegen deutsche Vertriebene, die in Polen den neuen Eigentümern in Schlesien, Pommern oder Ostpreußen Haus und Hof streitig zu machen drohen, weiß Kaczynski seine Lands leute hinter sich - gerade mit Blick auf die polnischen Kommunalwahlen in zwei Wochen.
Vor allem hinsichtlich der bevorstehenden EU-Präsidentschaft wissen jedoch Merkel wie Kaczynski um die Bedeutung gedeihlicher Arbeitsbeziehungen zwischen Berlin und Warschau. Das Treffen sollte dabei nur ein Schritt nach vorne sein, in die richtige Richtung. Politische Beobachter warnten denn auch vor Euphorie oder Hoffnung auf einen echten Durchbruch. Doch ohne den Versuch, Kaczynski nun stärker in den europäischen Dialog einzubinden, könnte die Kanzlerin in den nächsten Monaten dauernd mit einem harten polnischen "Nie" (Nein) konfrontiert werden.