CSU-Chef Horst Seehofer fordert in der Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kategorisch eine Kurskorrektur. "Es wird an einer Begrenzung und damit einer Obergrenze für die Zuwanderung kein Weg vorbeiführen", sagte er am Freitag unmittelbar vor Merkels Gastauftritt beim CSU-Parteitag in München. "Es fehlt die zentrale Antwort: die Begrenzung generell." Die Flüchtlingspolitik ist das zentrale Thema des Parteitags, im Leitantrag fordert die CSU eine festgelegte Quote für die Aufnahme neuer Flüchtlinge im kommenden Jahr.

In ihrer Rede beim CSU-Parteitag hat die Kanzlerin diese Forderung abgelehnt. Sie wolle eine Reduzierung der Flüchtlingszahlen über eine internationale Lösung erreichen. Die "Mega-Herausforderung" der vielen Flüchtlinge müsse so gelöst werden, dass die EU keinen dauerhaften Schaden nehme, sagte die CDU-Vorsitzende vor den gut 1000 Delegierten der Schwesterpartei. "Wenn wir das wollen, müssen wir alle Kraft in eine europäische, internationale Lösung setzen."

Merkel nannte unter anderem den Schutz der EU-Außengrenzen und eine Vereinbarung über legale Migration mit der Türkei. "Mit diesem Ansatz, so die Zahl der Flüchtlinge zu reduzieren, schaffen wir es im Unterschied zu einer einseitig festgelegten nationalen Obergrenze, im Interesse aller zu handeln."

Seehofer hatte im Vorfeld klar gemacht, dass die CSU ihre Position nicht ändern werde: Sollte es einen Dissens mit Merkel geben, "werde ich das hinterher ansprechen und ihr sagen, da müssen wir weiter daran arbeiten". Er verwies auf jüngste Meinungsumfragen. Danach sinkt die Beliebtheit der Kanzlerin in Bayern, während seine Werte auf ein Rekordhoch gestiegen sind.

Seit Jahresbeginn wurden in Deutschland mehr als 900 000 Flüchtlinge registriert.