Angela Merkel will bei ihrer Feuertaufe als EU-Gipfel-Chefin am liebsten nichts dem Zufall überlassen. Ihr Brüsseler Debut als Ratspräsidentin ist zum Erfolg verdammt - schließlich will die Kanzlerin jetzt den Weg bahnen für eine Lösung der Reform-Blockade, in der die EU seit zwei Jahren steckt.
Der Auftakt galt zunächst der Selbstdarstellung. Zum ersten Mal waren die mächtigen Ministerpräsidenten zu einer gemeinsamen Sitzung in das Machtzentrum der EU gereist, das sie in der Vergangenheit nicht selten als gesichtslosen Bürokraten-Moloch beschimpft hatten. Doch das passt jetzt nicht in die Zeit: Eine deutsche Regierung will gerade große Schritte für eine gemeinsame Klimapolitik in der EU durchsetzen.
"Wir ziehen in Brüssel an einem Strang", sagt neuerdings Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber. Für Merkel ein willkommener Anlass, deutschen Föderalismus zu demonstrieren, der wegen seiner Vielstimmigkeit nicht immer in Brüssel einen guten Ruf genießt.
Für die Kanzlerin war dies aber noch die leichtere Übung. Die eigentlichen Gipfel-Mühen beginnen für sie heute. Will sie mit einem Erfolg aus Brüssel abreisen, muss sie fast ein Dutzend Regierungschefs davon überzeugen, dass von einer Wende in der Klimaschutzpolitik erst die Rede sein kann, wenn dazu alle EU-Länder bindende Vereinbarungen getroffen haben. Die Zeit der langatmigen, eher vagen Gipfel-Schlussdokumente soll vorbei sein, ist Merkels Vision.
Doch die Kanzlerin will auch aus einem anderen Grund in Brüssel "Resultate" sehen. Das Thema Klimaschutz ist derzeit bei den Menschen populär wie seit langem nicht mehr. Fast täglich gibt es neue Schreckensnachrichten über die wachsende Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen. Die Menschen wollen, dass die Politiker - auch "die da oben in Brüssel" - endlich konkrete Taten beschließen. Gelingt das, so Merkels Kalkül, kann das die neue Vertrauensbasis schaffen, auf der sich dann auch die Krise der EU-Institutionen lösen lässt.
Auch darüber will die Kanzlerin in vertraulicher Brüsseler Gipfel-Runde reden. Die Blaupause dafür soll die "Berliner Erklärung" werden, die zwei Wochen später - beim feierlichen Gipfel zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung der Verträge von Rom - die "EU des 21. Jahrhunderts" neu begründen soll. Merkel hat dafür keine durchformulierten Entwürfe, sondern allenfalls Text-Bausteine in ihrem Brüsseler Gepäck.
Vom Verlauf der Diskussionen wird es abhängen, wie klar die Ziele der weiteren Zusammenarbeit in der EU in Richtung des neuen Verfassungsvertrags benannt werden können. Merkel will im Juni dazu ihren Fahrplan auf den Tisch legen. Ob und wie ihr das gelingt, dafür werden die Weichen auch in diesen Tagen gestellt. "Das wird kein ganz normaler Gipfel werden", wusste man schon vorher im Kanzleramt.
Einen außergewöhnlichen Erfolg kann Merkel bereits verbuchen: Erstmals seit fast 100 Jahren haben die großen Museen in München, Berlin und Dresden ihre Spitzenwerke deutscher Malerei des 19. Jahrhunderts gemeinsam für eine große Ausstellung auf die Reise geschickt. Für Kunst-Kenner eine Sensation. "Blicke auf Europa" soll die Betrachter für die gemeinsame EU-Sache wieder begeistern.