In der CDU stieß Merkels zuvor an den Vatikan gerichteter Appell auf ein geteiltes Echo. "Das macht deutlich, dass eine Leugnung des Holocausts niemals ohne Folgen im Raum stehen bleiben kann", sagte Merkel mit Blick auf Williamson. Merkel hatte am Dienstag als erste Regierungschefin überhaupt vom deutschen Papst eine eindeutige Klarstellung gefordert. Am Mittwoch rief der Vatikan den erzkonservativen Bischof Williamson auf, seine Leugnung des Holocausts zu widerrufen. "Nur ohne die Leugnung des Holocausts, nur ohne Antisemitismus, kann überhaupt ein gedeihliches Miteinander von jüdischen Gemeinden und christlichen Kirchen gelingen", sagte Merkel. Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) äußerte sich positiv zu Merkels Appell. Es sei legitim, "dass und wie sie sich geäußert hat", sagte Bosbach. Die Debatte sei "keine rein innerkirchliche Angelegenheit". Der frühere Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) sagte der "Leipziger Volkszeitung", bei Merkels Aufruf an den Vatikan habe ihm der "Tonfall nicht gefallen". Zwar müsse sich die Bundeskanzlerin politisch zum Antisemitismus äußern. Doch dazu habe sich auch der Papst bereits mehrmals "unmissverständlich erklärt". Die erzkonservative Pius-Bruderschaft, der Williamson angehört, warf Merkel vor, es sei "nicht ihre Angelegenheit", sich in kirchliche Belange einzumischen. Sie sei nicht katholisch und verstehe das nicht, sagte der Leiter des deutschen Distrikts der Bruderschaft, Pater Franz Schmidberger, im SWR-Fernsehen. Schmidberger distanzierte sich von den Äußerungen Williamsons. Zugleich nahm Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) Papst Benedikt XVI. gegen die Kritik aus Kirche und Politik in Schutz. "Vieles, was dem Papst jetzt unterstellt wird, ist beinahe bösartig, jedenfalls nicht redlich", sagte Lammert in einem Interview mit dem "Hamburger Abendblatt". Der CDU-Politiker Georg Brunnhuber sagte nach einem persönlichen Gespräch mit dem Papst der "Financial Times Deutschland", der Vatikan sei über die Diskussion in Deutschland "geradezu entsetzt". "Hier unterstellt niemand dem Papst, dass er antisemitische Äußerungen duldet", sagte Brunnhuber, der am Mittwoch in Rom im Rahmen der Generalaudienz mit Benedikt XVI. gesprochen hatte. Der Zentralrat der Juden kritisierte, durch die Entscheidung des Papstes sei der Antisemitismus "salonfähig" gemacht worden. Holocaust-Leugner könnten sich nun sogar auf den Vatikan und "auf den Papst persönlich berufen", sagte der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, dem "Hamburger Abendblatt". AFP/cd