Der Preis, der die Redekultur in Deutschland fördern will, wird heute in Bonn verliehen. Mit der undotierten Ehrung zeichnet der Stifter, der Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, seit 1994 herausragende Redner aus. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, der Politiker Peer Steinbrück und der Philosoph Peter Sloterdijk. Gerade erst hat der deutsch-iranische Schriftsteller mit seinem Essay "Vergesst Deutschland", in dem er seine Skepsis gegenüber jeder Art übertriebenem Patriotismus äußert, für Schlagzeilen gesorgt.

Der 44-Jährige nimmt darin Bezug auf die Zwickauer Terrorgruppe, aber auch auf die Attentäter des 11. September. Er wünscht sich die Deutschen verkrampfter in ihren patriotischen Äußerungen, fordert sie auf, kritisch gegenüber jedem patriotischen Überschwang zu sein. Dabei beruft er sich auf Deutschlands Dichter - Goethe, Schiller, Heine - die durchaus ein angespanntes Verhältnis zu ihrer Heimat hatten. Navid Kermanis literarische Arbeit kreist immer wieder um menschliche Grenzerfahrungen, sei es angesichts des Todes, aber auch im Alltag, der Erfahrung der Musik oder der Sexualität. Wissenschaftliche Schwerpunkte liegen auf dem Koran und der islamischen Mystik.

Der Autor unterstützt die Proteste in der arabischen Welt. Die Menschen seien für "Freiheit, Würde, Rechtsstaatlichkeit, Chancengleichheit" auf die Straße gegangen. Zugleich kritisiert Kermani die Politik westlicher Regierungen, wirft ihnen Komplizenschaft vor. Das bisher erfolgreichste Buch Navid Kermanis ist eine Erzählung über den kanadischen Rockmusiker Neil Young: "Das Buch der von Neil Young Getöteten".

Der Autor ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.