"Der Feldhase war die wichtigste Niederwildart in Sachsen", sagt Schneider. In allen Landkreisen im Freistaat habe sich Meister Lampe angesiedelt, sei überall zu sehen gewesen. Von einst 200 000 Hasen vor rund 40 Jahren habe sich die Population auf heute etwa 10 000 Tiere verringert. Inzwischen stehe der Feldhase in Sachsen auf der roten Liste der gefährdeten Tiere. "Der Hase ist das am meisten gejagte Tier", sagt Schneider. Nicht nur die überhand nehmende Population von Fuchs, Marder und Iltis setzten dem Langohr zu, auch Raub- und Rabenvögel dezimierten den Bestand.
Um die Hasenbestände nicht noch weiter zu belasten, verzichten die sächsischen Jäger schon seit Jahren auf Hasenjagden. Außerdem pflanzten sie in den vergangenen Jahren unter anderem Hecken und Feldgehölze, um die Lebensbedingungen der Tiere zu verbessern. Als den Anfang vom Ende bezeichnet Schneider flächendeckende Hasenfang-Aktionen in den 70er-Jahren. Die Tiere seien damals in große Netze getrieben worden, um dann ins Ausland exportiert zu werden.
Heute zerstörten die intensive Landwirtschaft und der stetige Einsatz von Chemie den Lebensraum des Langohrs. Der Nager finde kaum noch Futter, sei krankheitsanfällig, die Fruchtbarkeit lasse nach. "Eine Häsin bekam früher vier bis fünf Mal im Jahr Junge, heute gebiert sie nur noch einmal", sagt Schneider. Seien die Jungen auf der Welt, überlebten sie oft die ersten Wochen nicht, da sie nicht schnell genug vor den Landmaschinen flüchten könnten. Der größte Feind von Meister Lampe ist wohl das Auto. "Jeder zweite Hase stirbt heute auf der Straße", erklärt der Jagdreferent. Momentan wird erfasst, wie viele Hasen es überhaupt noch im Freistadt gibt.
Etwas optimistischer sieht Justus Oertner, Geschäftsführer des Naturschutzbundes Sachsen, die Hasenzukunft. Zwar weiß auch er den Hasen in Gefahr, freut sich jedoch über eine Stabilisierung der Population in den vergangenen zwei Jahren. "Die Naturschutzmaßnahmen greifen jetzt", sagt er. Von Vorteil sei auch, dass es vermehrt Flächenstilllegungen gebe. Da könne sich der Hase ungestört entwickeln. Hoffnung macht Oertner zudem, dass die Landschaft durch neue Hecken- und Baumpflanzungen wieder mehr Struktur gewinnt und die Hasen so bessere Deckung finden.
Ob sich auch die Hinwendung zum Ökolandbau schon positiv auf die Hasenvermehrung ausgewirkt habe, kann Oertner nicht belegen. "Aber es ist sicher nicht so gut, wenn ein kleines Häschen im Feld sitzt und eine volle Ladung Pestizide auf das Näschen bekommt", sagt er.