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Zwischen allen Stühlen?

FOTO: k r o h n f o t o . d e
Leitartikel. Union und SPD tun sich schwer mit ihrem Spitzenpersonal für die kommende Bundestagswahl. Ja, dann macht es doch wie die Grünen, möchte man ihnen zurufen. Stefan Vetter

Die halten eine Urwahl ab, wer sie 2017 in den Wahlkampf führen soll. So viel Demokratie ist wahrlich selten.

Was die Ökos heute als politische Tugend verkaufen, war ja eigentlich aus der Not heraus geboren. Nur weil sich ihre erste Garnitur im Vorfeld der letzten Bundestagswahl nicht auf ein Spitzenduo einigen konnte, musste schließlich die Basis ran. Das war auch mit großen Verletzungen verbunden. Auch der neue Kandidatenwettlauf dürfte nicht ohne persönliche Beschädigungen abgehen. Zumal sich gleich drei gestandene Grüne um das "Männerticket" bewerben. Mit Robert Habeck ist darunter auch ein sehr markanter Ländervertreter. Gut möglich, dass sich Habecks bundespolitischer Aufstieg durch ein mögliche Niederlage erledigt, bevor er überhaupt richtig in Gang gekommen wäre. Dabei hätten die Grünen neue und unverbrauchte Gesichter in Berlin dringend nötig.

Fragt man sich, wofür die jeweiligen Kandidaten politisch genau stehen, wird es ohnehin schwierig. Die Partei laviert zwischen Rot-Rot-Grün und Schwarz-Grün. Auch in der Finanzpolitik herrscht ein ziemliches Gewürge, was ebenfalls mit dem unbewältigten Farbenspiel zusammenhängt: Würde man sich zum Beispiel auf eine Vermögensteuer festlegen, wären alle schwarz-grünen Planspiele obsolet.

So läuft die Partei Gefahr, am Ende zwischen allen Stühlen zu sitzen und womöglich ein weiteres Mal in der Opposition zu landen. Auch die demokratischste Findung ihrer Wahlkampfspitzen wäre dann für die Katz gewesen.

politik@lr-online.de