ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 20:25 Uhr

Leitartikel Brexit-Krise in London
Zutiefst gespaltene Nation

Hendrik Bebber
Hendrik Bebber FOTO: Südwest Presse Ulm
Nur kurz nach dem angeblichen Brexit-Durchbruch im britischen Kabinett bröckelt die Regierung. Wie lange kann sich Premierministerin May noch halten? Von Henrik Bebber

Die Leidenschaft, mit der Theresa May das Entwurfspapier zum Brexit einem skeptischen Parlament anpries, erinnerte fatal an das englische Sprichwort: „Man kann keine seidene Börse aus dem Ohr einer Sau machen.“

Die ehemalige Fürsprecherin der britischen EU-Mitgliedschaft wandelte sich als Nachfolgerin des unglückseligen David Cameron zur Hohepriesterin des Brexit mit dem Anspruch, den „Willen des Volkes“ zu erfüllen. Nach zweieinhalb Jahren ist es laut Umfragen allerdings vielen Briten klar, dass sie damals im guten Glauben für den Austritt gestimmt und nun anderer Ansicht geworden sind.

Aber auch schon damals, als May, ohne viel über die Konsequenzen nachzudenken, den Austrittstermin auf den 29. März 2019 legte, ignorierte sie fast die Hälfte der Bevölkerung, ebenso wie die Meinung in Schottland und Nordirland. Doch spätestens nach der herben Wahlschlappe 2017 dämmerte es ihr, wie gespalten die Nation in dieser Schicksalsfrage ist. So versucht sie nun, beiden Seiten gefällig zu sein. Die „Austreter bekommen mit diesem Vertragsentwurf den Einwanderungsstopp für EU-Bürger und das Ende der Beitragszahlungen und der Gesetze und Direktiven aus Brüssel.“

Den „Verbleibern“ wird vorgegaukelt, dass Großbritannien weiter die Wirtschaftsbeziehungen mit den Ex-Partnern fast ohne Abstriche weiterführen und darüber hinaus kühne Handelsabkommen in aller Welt abschließen kann. Doch vorerst kann May noch nicht einmal ihren Plan durch das Unterhaus bringen. Bei dem fast geschlossenen Widerstand der Opposition, dem Absprung des nordirischen Partners DUP und den vielen Rebellen in ihrer Fraktion wird das Scheidungsabkommen mit der EU keine Mehrheit bekommen.