| 02:33 Uhr

Zurück zu den Wurzeln

Die Präsidentschaftswahlen haben die Parteienlandschaft Frankreichs in Trümmer gelegt. Von den einst regierenden Sozialisten ist kaum noch etwas übrig geblieben – nicht einmal die Parteizentrale. Christine Longin

Die konservativen Republikaner stehen kurz vor der Spaltung und auch vor dem Front National macht das politische Erdbeben nicht halt. Der Abgang von Florian Philippot ist das beste Zeichen dafür. Der Vordenker der Rechtspopulisten war eine Art zweites Ich von Marine Le Pen. Nun opfert ihn die Parteichefin, um nach ihrer Wahlniederlage die eigene Haut zu retten. Die 49-Jährige ist angeschlagen und sucht einen Sündenbock. Mit Philippot wirft sie in einer Verzweiflungstat die ganze Strategie über den Haufen, die sie vor Jahren selbst mit formulierte. Die Strategie des Wolfs im Schafspelz, die Philippot so geschickt in den Nachrichtensendern verkaufte. Doch nun ist Schluss mit der "Entteufelung" des Front National. Die Partei von Jean-Marie Le Pen zeigt wieder ganz offen ihr hässliches Gesicht. Die Anti-Euro-Rhetorik zieht bei den Franzosen nicht? Also weg mit ihr und mit 70 Prozent des gesamten Programms. Es bleiben Nationalismus und Ausländerfeindlichkeit pur. Der Wolf will wieder Wolf sein. Zurück zu den Wurzeln.

Eine Tendenz, die auch Sozialisten und Republikaner verfolgen - jeder auf seine Art. Sie ist die verzweifelte Antwort auf den Mann, der in Frankreich alles auf den Kopf stellte: Emmanuel Macron. Der tut derweil genau das, was er im Wahlkampf versprochen hatte: Er reformiert Frankreich. Schon hat er die Verordnungen unterzeichnet, die den Arbeitsmarkt ankurbeln sollen. Danach kann er nur hoffen, dass seine Maßnahmen auch Wirkung zeigen. Und zwar schnell. Denn die Franzosen werden seinem Reformeifer nur folgen, wenn sie Ergebnisse sehen. Noch hat Macron den Bonus des Anfängers. Doch der braucht sich schnell auf und dann warten bereits seine Gegner. Marine Le Pen gehört immer noch dazu.

politik@lr-online.de