| 19:14 Uhr

Kommentar
Happige Forderung

FOTO: k r o h n f o t o . d e
Streiks in Kitas und bei der Müllabfuhr, aber auch im Flugverkehr. Das war die „fühlbare“ Begleitmusik vergangener Tarifauseinandersetzungen bei Bund und Kommunen. Und die droht womöglich bald schon wieder intoniert zu werden. Denn die zuständigen Gewerkschaften fordern für die Beschäftigten in diesen beiden Schlüsselbereichen des öffentlichen Dienstes eine happige Lohnerhöhung von insgesamt sechs Prozent.

Die Mitarbeiter wollten an der „Festtagsstimmung in der Wirtschaft teilhaben“, heißt es bei der Gewerkschaft Verdi zur Begründung. Zweifellos geht es der Wirtschaft bestens. Nur ist der öffentliche Dienst eben kein Wirtschaftsunternehmen. Seine Beschäftigten werden aus Steuergeldern bezahlt. Die sprudeln zwar auch reichlich, sind aber gerade im kommunalen Bereich sehr unterschiedlich verteilt. Während die einen ein solches Lohnplus locker verkraften können, müssen sich andere überlegen, ob sie dann noch weiteres Personal einstellen. Obwohl das vielleicht gerade dort dringend nötig wäre. Ohnehin leiden zahlreiche Städte und Gemeinden unter einem hohen Schuldenberg. Und das trotz insgesamt guter Konjunktur.

Summa summarum würde die Gewerkschaftsforderung 6,4 Milliarden Euro zusätzlich kosten. Das lässt sich kaum verkraften. Positiv immerhin ist, dass Verdi & Co eine soziale Komponente durchsetzen wollen. Denn das Lohngefälle im öffentlichen Dienst ist groß. Mit dem geforderten Mindestbetrag könnte zum Beispiel eine Pflegehelferin auf einen Schlag zehn Prozent mehr Geld bekommen. Erfahrungsgemäß sind Tarifauseinandersetzungen immer von Kompromissen geprägt. Eine Sechs als Prozentzahl wird es am Ende ohnehin nicht geben. In der Abwägung sollten sich die Gewerkschaften deshalb auf Verbesserungen für die unteren Lohneinkommen konzentrieren. Das hilft denen, die es wirklich nötig haben.
⇥politik@lr-online.de