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Zum Erfolg verdammt

Der Höhenflug des Emmanuel Macron ist zu Ende. Die Franzosen haben den 39-Jährigen zwar zu ihrem Präsidenten gewählt und ihn mit absoluter Mehrheit in der Nationalversammlung ausgestattet. Christine Longin

Doch das Ergebnis hat einen schalen Beigeschmack: Statt der mehr als 400 erwarteten Abgeordneten wurden es nur gut 350. Die Wähler korrigierten das Resultat der ersten Runde - eine erste Niederlage für einen Präsidenten, der bisher nur gewonnen hat. Auch die niedrige Wahlbeteiligung muss er sich auf die Fahnen schreiben. Vom Elan, der am 7. Mai zu spüren war, kann keine Rede mehr sein.

Für Macron beginnen nun die Mühen der Ebene. Der als Erneuerer gefeierte Staatschef muss nun tatsächlich das Haus Frankreich renovieren. Vom Heiland zum Handwerker also. Die absolute Mehrheit in der Nationalversammlung ist dabei sowohl Fluch als Segen. Der sozialliberale Staatschef hat nun zwar freie Hand für seine Reformen, doch er ist auch zum Erfolg verdammt. Seine Fraktion im Abgeordnetenhaus ist so riesig, dass jede seiner Maßnahmen schon jetzt als angenommen gilt. Wenn es nun nicht aufwärts geht mit Frankreich, dann gibt es keine Ausreden mehr.

Auf den Präsidenten wartet nicht nur die Reform des komplizierten Arbeitsrechts, sondern auch die Sanierung des defizitären Haushalts. An diesen beiden Aufgaben wird ihn auch das Ausland messen. Macron hat im Wahlkampf immer wieder gesagt: erst wenn er seine Hausaufgaben macht, kann er auf internationaler Bühne ernst genommen werden. Die Hausaufgaben sehen schwieriger aus als gedacht. Die Opposition vom rechten und linken Rand kündigt Widerstand gegen das neue Arbeitsrecht an. Gewerkschaften dürften im Herbst folgen. Macron weiß: seine Präsidentschaft misst sich am Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Und der dürfte noch schwieriger zu gewinnen sein als der Kampf um Wählerstimmen. politik@lr-online.de