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Kommentar
Keine Zeit für Schwarzmaler

Jan Siegel
Jan Siegel FOTO: Sebastian Schubert / LR
Meinung Das Bild ist hässlich, das in diesen Tagen in Deutschland von Cottbus einmal mehr gezeichnet wird. Je weiter weg die Beobachter sind, desto eindeutiger fällt das Urteil aus. Ein braunes Nest im dunkelsten Teil Deutschlands mit tristen Plattenbau-Gettos, in denen ein pöbelnder Mob die Straßen erobert. Das ist schön einfach und gibt allen Nicht-Cottbusern das behagliche Gefühl, zum Glück nicht so zu sein wie diese „Deppen“ in der Lausitz.

Richtig! Es geht nicht um ein schönes Bild, ums Zukleistern für den schönen Schein. Wo es stinkt, da muss sich jeder auch angewidert öffentlich die Nase zuhalten dürfen.

Und an manchen Stellen stinkt es mächtig auch in Cottbus.

Es stinkt, wenn pubertäre Teenager aus Syrien ihr Gastrecht missbrauchen und mit vorgehaltenem Messer „Respekt“ von einem Ehepaar beim Einkauf fordern. Und es ist übel, wenn nur Tage später wieder Teenager, die mit ihren Eltern vor Gewalt und Krieg geflüchtet sind, in ihrer digitalen Langeweile bei einem Streit erneut zum Messer greifen. Bei unbelehrbaren Mehrfachtätern, egal woher, stoßen Du-Du-Justiz und Streichelpädagogik an ihre Grenzen.

Es stinkt aber auch, wenn der große Frust der Cottbuser über solche Angriffe von raubeinigen „Befreiern“ und von rechts-nationalistischen Parolenschmieden geentert wird. Wer anderen Menschen Angst macht und sie attackiert – mit oder ohne Messer –, weil sie anderer Meinung sind, stellt sich ins Abseits und liefert den Cottbus-Schwarzmalern die Tinte.

Cottbus braucht jetzt keine Schwarzmaler mit Hang zum Rückblick, sondern durchsetzungsstarke Problemlöser mit Weitblick. Deeskalation ist angesagt, nicht anheizen.
jan.siegel@lr-online.de