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| 18:09 Uhr

Leitartikel zum Bruch zwischen Trump und Bannon
Zu früh fürs Abschreiben

Frank Herrmann
Frank Herrmann FOTO: Frank Herrmann
Es ist noch keine zwölf Monate her, da war Steve Bannon der mächtigste Strategieberater, den das Weiße Haus jemals hatte. Anders als seine Vorgänger, Karl Rove unter George W. Bush oder David Axelrod unter Barack Obama, durfte er an sämtlichen Sitzungen des Nationalen Sicherheitsrats der USA teilnehmen, während mancher hochrangige General nur noch im Ausnahmefall in der Runde sitzen sollte. Es schien, als hätte die Ideologie über das Fachwissen triumphiert. Von Frank Herrmann

Bannon, der Experte für populistische Sprüche, gab den Ton an, während nüchternere Köpfe das Nachsehen hatten. Die Sendung „Saturday Night Live“, die schon bald ihn als den wahren Präsidenten zu porträtieren begann, schien mit ihrer satirischen Zuspitzung ins Schwarze zu treffen. Und selbst im Sommer – Trump gab dem Drängen seines um Disziplin bemühten Stabschefs nach und setzte Bannon den Stuhl vor die Tür – wagte niemand zu prophezeien, wie es ausgehen würde. Mit dem schleichenden Bedeutungsverlust des Einflüsterers oder aber mit seinem glänzenden Comeback.

Im Orbit des Staatschefs, dies wäre wohl fürs Erste geklärt, wird der Stern des einst so gefürchteten Strategen nicht mehr leuchten. Die Frage ist, ob die populistisch befeuerte Basis ihr Idol Trump im Stich lässt, um ins Lager Bannons überzulaufen. Der rabiate Stratege, wie kein anderer steht er für jenes „America first“, das den Kern der Marke Trump bildet. Wie kaum ein anderer symbolisiert er die feindliche Übernahme der Republikanischen Partei durch nationalistische Rebellen, die mit der Wahl des Novembers 2016 ihren bislang größten Triumph feierten. Ihn schon jetzt abzuschreiben, wäre vermutlich ein Fehler.