ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 11:50 Uhr

Kommentar
Wunsch und Wirklichkeit

Frank Herrmann
Frank Herrmann FOTO: LR / Redaktion
Letztlich ist es eine Lektion in Sachen Realpolitik für Donald Trump. Auf den letzten Metern vor seinem historischen Gipfel mit Kim Jong Un hat er lernen müssen, dass sich manches nicht so schnell ändert, auch wenn er im für ihn so typischen Superlativ das Gegenteil verspricht.

Trump hat die geplatzte Begegnung als eine Art Geniestreich verkauft, bei dem ihm im Schnellverfahren gelingen werde, woran sich drei seiner Vorgänger die Zähne ausgebissen hatten. Er, der selbsternannte Meister des Verhandlungspokers, wollte als der US-Präsident in die Annalen eingehen, der das nordkoreanische Atomprogramm ein für alle Mal begraben würde. Als sich abzeichnete, dass die Realität anders aussieht, hat er kalte Füße bekommen.

Die Absage mit feindseliger Rhetorik Pjöngjangs zu begründen, wie er es im Brief an Kim tut, geht am Kern der Sache vorbei. Eher: Nachdem er die Erwartungen in schwindelerregende Höhen getrieben hatte, konnte sich Trump kein Treffen leisten, das nicht mit dem beschworenen Durchbruch endet.

Spricht Trump von der De-Nuklearisierung der Koreanischen Halbinsel, meint er die Verschrottung aller Atomwaffen in Pjöngjangs Arsenalen. Spricht Kim davon, meint er, dass die USA im Gegenzug den atomaren Schutzschirm für ihre ostasiatischen Verbündeten einklappen. Vorerst ist der Brückenschlag gescheitert. Wie lange es bis zum nächsten Anlauf dauert, bleibt abzuwarten.