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| 19:06 Uhr

Kommentar
Wunsch nach Veränderung nimmt deutlich zu

 Günther Marx
Günther Marx FOTO: MOZ
Alles wie gehabt. Benjamin Netanjahu wird nach zehn Jahren im Amt Israel auch künftig regieren. Zwar hat Herausforderer Benny Gantz mit seinem Blau-Weiß-Bündnis – praktisch aus dem Stand – mit Netanjahus Likud gleichgezogen, das rechte Lager aber, auf das sich Netanjahu schon bisher stützen konnte, bleibt in der Mehrheit. Von Günther Marx

Der Regierungsauftrag dürfte also wieder an „Bibi“ gehen.

Dennoch zeigt das starke Ergebnis für Gantz, dass der Wunsch nach einer Veränderung in der israelischen Gesellschaft, die Sehnsucht nach einem neuen Gesicht durchaus vorhanden ist. Viel ist in diesem Zusammenhang von einer Spaltung des Landes die Rede, was übertrieben scheint. Denn in der Sicherheitspolitik unterscheiden sich Gantz und Netanjahu mehr in der Tonlage als im Inhalt. Auch Gantz würde den Golan nicht mehr aufgeben, die Siedler nicht aus dem Westjordanland zurückholen. Und wenn er versuchen wollte, eine Mehrheit gegen Netanjahu zu zimmern, müsste er Partner aus dessen Rechtsbündnis gewinnen – und wäre deren Gefangener.

Spannend wird es, sollte es tatsächlich zu einer Korruptionsanklage gegen Netanjahu kommen. Würde er das politisch zu überleben versuchen, indem er das Wählervotum gegen die Justiz in Stellung bringt? Skrupel kennt Netanjahu wenige, Israel als Rechtsstaat würde er damit schaden. Zu erwarten ist nun, dass sich Verhältnis zu den Palästinensern weiter verschlechtern wird und Netanjahu – mit dem Rückenwind Donald Trumps – Israels Stärke weiter ausspielt. Da hätten die israelischen Araber – immerhin ein Fünftel der Bevölkerung – mehr für einen politischen Wechsel tun können. Sie blieben der Wahl jedoch zu großen Teilen fern. ⇥politik@lr-online.de