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Meine Wirtschaftswoche
Wälzer und Verlockungen

Hannelore Grogorick
Hannelore Grogorick FOTO: Angelika Brinkop / LR
Wie  fand ich das früher gemütlich. Tasse Kaffee, kuschlige Couch, leise Musik und auf dem Schoß einen dicken Katalog vom Versandhandel. Hosen, Kleider, Mäntel, Schuhe. Möbel aller Art. Wäsche und Geschirr. Und jede Menge Klimbim. So war man informiert über die Trends und darüber, was die Welt nun wirklich nicht  brauchen sollte. Man kann den Wälzer weglegen und neu hervorholen, ohne sich entscheiden oder etwas kaufen zu müssen. Aber heutzutage hat man ja nur zu tun, um die Wälzer wieder aus der Wohnung zur Papiertonne zu bringen. Nicht nur ein Versandhaus schickt die bunten Kataloge, da kommt auch dicke Post von diesem und jenem noch nie gehörtem Versandhändler, viele mit gleichen Angeboten, allesamt mit wundersamen Versprechungen. „Dieser supergünstige Preis gilt nur die nächsten 14 Tage.“ Sowas in der Art. Da  zermartere ich  mir das Hirn: Wie weiß denn der lockende Händler, wann ich in den Katalog schaue und wann demnach die 14 Tage um sind?Oder die anbei liegenden „Liebesbriefe“ vom Hauschef höchstpersönlich. Ich als sein treuster Kunde - auch wenn man sich schon Jahre für nichts mehr aus den Offerten begeistern konnte - hätte es doch verdient, noch ein tolles Geschenk zu meiner Bestellung zu bekommen. Ich muss nur eine Nummer frei rubbeln.... Ja, aber auch wirklich nur diese Nummer verspricht auch eines der großartigen Geschenke: Fernseher, Küchenmaschine, Staubsauger oder Korkenzieher.  Da ausgerechnet ich die einzige Gewinnummer haben soll - ist da das Anschreiben inmitten der wahrscheinlich millionenfachen Katalogauflage nur für mich gedruckt? Von Hannelore Grogorick

Aber letztlich muss es den Onlinehändlern ja doch was bringen, die Katalogduckerei und -versendung, die massenhaften Online-Kanäle und Link-Verbindungen:

Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) – die Branchenvereinigung der Interaktiven Händler (d.h. der Online- und Versandhändler) –  bilanziert für das Jahr 2017  einen einen Brutto-Umsatz von 78,143 Milliarden Euro des gesamten Online- und Versandhandels mit Waren und Dienstleistungen.  Und für   2018 wird gerechnet mit einem Wachstum von 8,3 Prozent auf etwa  67,3 Millarden Euro brutto.

Da kann man doch wahrlich verstehen, warum sich die Entscheidungen über den Anbau des Blechen-Carés dermaßen unentschlossen in die Länge ziehen.