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| 18:53 Uhr

Personalien
Wer sagt zu Merkel: „Isch over“?

Nicht nur während des „Tages der offenen Tür“ findet das Bundeskanzleramt bei vielen Bürgern reges Interesse. Auch so mancher Politiker dürfte inzwischen den Chefposten in dieser Immobilie im Auge haben.
Nicht nur während des „Tages der offenen Tür“ findet das Bundeskanzleramt bei vielen Bürgern reges Interesse. Auch so mancher Politiker dürfte inzwischen den Chefposten in dieser Immobilie im Auge haben. FOTO: dpa / A3511 Soeren Stache
Berlin. Die Krise der Kanzlerin könnte potenzielle Nachfolger aus der Deckung locken.

Ob der Machtwechsel an der Spitze der Unionsfraktion ausreicht? Oder wird sich beim CDU-Parteitag Anfang Dezember ausgerechnet in Angela Merkels Geburtsstadt Hamburg noch mehr entladen, was sie den Vorsitz und vielleicht sogar die Kanzlerschaft kosten könnte? So oder so, die Nach-Merkel-Kandidaten wissen jetzt, die Zeit der Zurückhaltung ist vorbei. Wer könnte Nutznießer der Kanzlerinnen-Krise sein, wer taugt womöglich zum Brutus?

Wolfgang Schäuble. Der Bundestagspräsident ist gerade 76 Jahre alt geworden. Er ist seit 45 Jahren Abgeordneter, er war mehrfach Minister und Parteichef, bevor er 2000 über die CDU-Spendenaffäre stürzte. Schäuble verkörpert in der Union die Sehnsucht nach konservativem Profil. Er ist eine Autorität, aber kein Neuanfang. Im Falle eines überstürzten Merkel-Endes wäre er daher als Übergangskanzler denkbar, um Ordnung ins Chaos zu bringen. Und: Schäuble hätte wohl den Mut, als „Brutus“ Merkel zu sagen: „Isch over, Angela“.

Ursula von der Leyen. Das ewige „Röschen“. Die 59-Jährige hat sich in der zurückliegenden Legislaturperiode auf einen der schwierigsten Jobs im Kabinett eingelassen, dem der  Verteidigungsministerin. Das war ein Signal – von der Leyen traut sich was zu. Lange wurde sie als Nachfolgerin Merkels gehandelt, doch ihre Chancen sind eher gering. Von der Leyen ist zu unbeliebt, ihr Einfluss ist zu gering. Aber: Ihr Ehrgeiz ist groß. Das darf man nicht unterschätzen.

Jens Spahn. Merkels Widersacher in der Flüchtlingspolitik will Kanzler werden. Das weiß man. Doch der 38-Jährige hat nicht nur Freunde. Es heißt, wenn er gegen Kauder in der Fraktion angetreten wäre, hätte er verloren. Spahn steht jedoch für konservative Erneuerung. Auf zwei Parteitagen hat er sich personell und inhaltlich gegen Merkel gestellt – und gewonnen. Die Jungen, die Wirtschaftsliberalen und die CSU mögen ihn. Außerdem hat Spahn einen einflussreichen Mentor: Wolfgang Schäuble.

Annegret Kramp-Karrenbauer. Sie steht in direkter Konkurrenz zu Spahn. Dass sie von Merkel als Generalsekretärin installiert wurde zeigt, dass die Saarländerin in der Erbfolge ganz vorne steht. Außerdem verfügt „AKK“ als ehemalige Ministerpräsidentin über jede Menge Regierungserfahrung. Das Manko der 56-Jährigen: Sie ist vielen zu sehr wie Merkel. Als Chefin der Parteizentrale sitzt sie aber am Schalthebel, wenn es um die Verteilung der Macht geht. Und sie ist stark genug, Merkel darauf hinzuweisen, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

Julia Klöckner. Wenn zwei wie Spahn und Kramp-Karrenbauer sich streiten, freut sich womöglich die Dritte. Ihr Wechsel von Mainz zurück nach Berlin war der Hinweis, wo sie bessere Karrierechancen für sich sieht. Als Landwirtschaftsministerin verdient sich Klöckner gerade ihre Sporen, und seit 2012 ist die 45-Jährige schon CDU-Stellvertreterin Merkels. Klöckner bekommt den Spagat zwischen Nähe und Distanz zur Kanzlerin gut hin. Das ist ihr Vorteil. Und sie ist beliebt.

Peter Altmaier. Ein ganz enger Vertrauter Merkels. Trotzdem sehr anerkannt in der Partei. Der Saarländer könnte den CDU-Laden nach einem Merkel-Sturz zunächst beruhigen. Altmaier gilt gemeinhin als Allzweckwaffe, der 60-Jährige hat schon das Kanzleramt organisiert. Er kennt sich dort bestens aus. Und noch etwas: Altmaier wäre es zuzutrauen, als „Brutus“ Merkel die Lage zu verdeutlichen – aber weitaus freundlicher als Schäuble.

Daniel Günther. Der schleswig-hol-
steinische Ministerpräsident gilt als frisches Talent in der CDU. In letzter Zeit hat er sich häufiger auch bundespolitisch zu Wort gemeldet. Freilich hat sein Plädoyer für eine Öffnung zur Linkspartei nicht jedem in der Union gefallen.

Auch ist der 45-Jährige erst seit anderthalb Jahren Regierungschef in Kiel – worauf er immer verweist, wenn es um die Frage geht, ob er sich zu Höherem berufen fühlt. Dennoch: Er wäre ein echter Neuanfang.

Armin Laschet. Bis zu seiner Wahl zum Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr war Laschet nicht so sehr gelitten in der Partei. Doch seitdem hat der Merkel-Stellvertreter klar an Profil gewonnen. Mit ihm könnte vor allem FDP-Chef Christian Lindner nach Neuwahlen gut leben. Und Laschet ist mittlerweile in allen Unionslagern anerkannt. Der 57-Jährige könnte nach einem Merkel-Sturz die Partei zusammenführen – und auch das Kanzleramt übernehmen.