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| 17:14 Uhr

Kommentar
Wer entschädigt wen?

Daniel Schauff
Daniel Schauff FOTO: LR / Sebastian Schubert
Fast 80 Jahre alt ist Karl Homer, seit über 40 Jahren wohnt er in seinem Haus in Groß Gaglow. Nun muss er um sein Grundstück kämpfen, weil es die Jewish Claims Conference (JCC) fordert, um damit jüdische Opfer des Nationalsozialismus zu entschädigen.

Homer selbst hat nie Juden von seinem Grundstück vertrieben, auch sein Vater nicht. Der hat das Grundstück damals gekauft, ob er wusste, dass dort einst jüdische Siedler Obstbau und Landwirtschaft betreiben sollten, bevor die Verfolgung begann, ist unklar, aber auch unwichtig. Was den Homers und zwei anderen Familien in dem Cottbuser Ortsteil widerfährt, ist schrecklich. Doch wer ist schuld? Die Juden? Zu einfach. Was ihnen geschehen ist, war noch schrecklicher. Dass sie auch heute noch entschädigt werden müssen: keine Frage. Die Bundesregierung sollte sich dringend einmischen und helfen, eine Lösung zu suchen, die der JCC erlaubt, Naziopfer zu entschädigen, die aber auch Menschen ihr Zuhause lässt. Sonst stellt sich die Frage, ob dort tatsächlich Unrecht mit Unrecht gesühnt werden soll.
daniel.schauff@lr-online.de