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Meine Wirtschaftswoche
Wenn Frauen klammern. . .

Bettina Friedenberg
Bettina Friedenberg FOTO: Sebastian Schubert / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Wie der Wunsch nach einer dauerhaften Verbindung zum nicht enden wollenden Balanceakt wird. Ein Selbstversuch. Bettina Friedenberg

Ich gehöre auch zu diesen Frauen – ich klammere. Gern und mit Hingabe. Leider nicht immer gut. Ist mir erst kürzlich wieder passiert. Ich klammere und klammere – und trotzdem löst sich die Verbindung.  Das aktuelle Problem: eine Unterspannbahn soll am Scheunen-Dachstuhl befestigt werden. Mit einem Tacker, also mit Klammern. Oder was haben sie gedacht?
Schleppe also die Leiter auf den Dachboden, dazu Werkzeug von Cuttermesser, über Zollstock bis zu Hammer, Zange und Tacker. Glücklicherweise habe ich zwei: einen elektrischen und einen manuellen. Nehme beide mit.
Hantieren mit meterlanger Unterspannbahn (ab jetzt aus dramaturgischen Gründen Folie genannt) auf der Leiter ist ein Balanceakt. Die Hände weit oben, um die Folie zu positionieren, die sich dabei um die Beine wickelt und um den Kopf. Ich sehe nichts. Egal, jetzt wird geklammert. Elektrisch. Folie halten, Tacker ansetzen, Auslöser drücken – nix. Laut fluchen. Der Akku ist leer. Also Folie im Dachstuhl einklemmen, runter von der Leiter, manuellen Tacker greifen.
Balanceakt mit meterlanger Folie, Teil zwei: Folie ausrichten, Tacker ansetzen, Griff mit Kraft runterdrücken – nichts. Das Magazin ist leer. Wieder laut fluchen. Folie einklemmen, Leiter runterklettern, Magazin auffüllen, weitermachen.
Balanceakt, Teil drei: Das Folien-Dilemma gleicht dem in Teil eins und zwei. Das Tacker-Dilemma ist variantenreicher.  Griff kraftvoll runterdrücken und – Klack. Gleich drei Klammern quetschen die Folie ans Gebälk. Eine steckt nur halb im Holz, die zweite sieht gefaltet aus, die dritte hat ein Loch in die Folie gerissen. Wieder laut fluchen. Die Folie hängt wie ein Gespenst im Dachstuhl, zerknittert, aber gehalten von drei instabilen Klammern. Jetzt nicht trödeln … Runter von der Leiter, Tacker am Treppengeländer testen.  Funktioniert: Nur eine Klammer donnert ins Holz und sitzt bombenfest.
Balanceakt, Teil vier: Folie halten, Tacker ansetzen und – Klack. Die Klammer verhakt sich im Tacker. Es folgt der bekannte Abstieg. Wutentbrannt mit der Zange die Klammer rausziehen. Neuer Testschuss – alles paletti.
Etliche Balanceakte später. Die Folie hängt, endlich. Professionell ist anders. Meine rechte Hand ist taub. Kann man einen Tacker-Arm bekommen?, frage ich mich. Nur nicht den Humor verlieren. Es reicht, dass die Geduld aufgebraucht ist und sämtliche Tackerklammern.
Tags drauf im Baumarkt. Ich erkläre dem Verkäufer mein Problem und Begehr: Ich will klammern. Und zwar mit Schmackes. Wir diskutieren über Druckluftnagler und Kompressoren.  Mit so einem Monstergerät auf der Leiter? Freihändig? Besser nicht.  Er empfiehlt – einen Tacker.  Ein Schlagtacker soll’s jetzt sein. Den donnert man wie einen Hammer auf das, was verbunden werden soll. Toll! Ich kaufe das Teil und 5000 Klammern. Immerhin sollen mindestens 100 Quadratmeter Unterspannbahn verarbeitet werden. Ich freue mich aufs Klammern.