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Meine Wirtschaftswoche
Wir unberechenbaren Weihnachtskunden

Cottbus. Von wegen „Süßer die Kassen nie klingeln“: Richtig zufrieden ist Deutschlands Einzelhandel noch nicht. Dabei rechnen Läden, Warenhäuser und Online-Shops 2017 wieder mit Rekordumsätzen im Weihnachtsgeschäft. Ein Erklärungsversuch nach dem ersten Adventswochenende. Von Oliver Haustein-Teßmer

Wie sich die Nachrichten von Woche zu Woche unterscheiden: Eben noch hat die RUNDSCHAU berichtet, in diesem Jahr erwarte der deutsche Einzelhandel Rekordumsätze von mehr als 94 Milliarden Euro im Weihnachtsgeschäft 2017. So sah es nämlich der Einzelhandelsverband HDE noch vor einigen Tagen.

Nach diesem ersten Adventswochenende dann ist der HDE gerade einmal „verhalten zufrieden“ mit den geschätzten Kunden in Deutschland. Der Weihnachtskäufer, das unberechenbare Wesen... Vielleicht liegt es auch daran, dass Deutschlands Einzelhändler zunächst einmal der frohlockendsten aller Statistiken gefolgt sind. Die eine auch in der LR zitierte beispielsweise geht auf eine Studie zurück, die die Essener FOM-Hochschule veröffentlicht hat. Demnach hauen die Konsumenten durchschnittlich 465 Euro für Geschenke unterm Tannenbaum raus.

Skeptischer zeigten sich dagegen die Befragten, die das Marktforschungsinstitut GfK interviewte - 278 Euro durchschnittlich und damit zwei Euro weniger als im Vorjahr wollen sie ausgeben. Haben die Nürnberger sparsamere Menschen am Telefon gehabt? Repräsentativ sind ja den Angaben zufolge beide Ergebnisse.

Selbst der niedrigere Wert deutet allerdings auf süßer nie klingende Kassen hin. Womit die Frage bleibt: Was haben die Menschen an diesem Wochenende getan, wenn sie nicht im Kaufrausch durch Deutschlands Läden und Kaufhäuser getobt sind oder sich bei Online-Shops die Warenkörbe vollgepackt haben?

Ich vermute mal: Sie sind verzweifelt und grübeln noch. Was soll man bloß schenken? Und wo kaufen? Das ist nämlich, bei allem Wissen über das, was gern gekauft wird - laut besagten Umfragen nämlich Gutscheine, Kosmetik, Tickets, Bücher, Spielzeug, Elektronik und so weiter - keine einfache Angelegenheit. Und wird bei manchen daher aufgeschoben bis zum 23.12. um 17.30 Uhr.

Auf meiner bis dato geheimen Wunschliste zum Beispiel steht längst ein neuer Kopfhörer. Aber wie bringe ich's dem Weihnachtsmann bei, der gern mal andere, weil so praktische Präsente ausliefert? Was muss das Ding kosten? Seriöse Tester empfehlen da gern mal tragbare Soundsysteme für an die 300 Euro.

Damit wäre ja das Geschenkebudget im schlimmsten Fall schon ausgeschöpft. Da hilft nur, wunschlos glücklich bleiben, brav sparen und sich selbst eine Freude machen - irgendwann mal, wenn Weihnachten längst vorbei sein dürfte.