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| 18:26 Uhr

Kommentar
Aus dem Chaos wächst Neues

Ellen Hasenkamp
Ellen Hasenkamp FOTO: MOZ
Gegen höhere Mächte lässt sich meist nicht viel ausrichten, sie wirken unbeirrt und überall. Wie sich das Chaos in diese Mächte einsortiert, mag naturwissenschaftlich noch nicht ganz geklärt sein.

Tatsache ist, das Chaos regiert: Im Kosmos, im Kinderzimmer und auch in der Koalition. In Sachen Weltall sind wir dazu verdammt, diesen Zustand irgendwie hinzunehmen – in Sachen Kinderzimmer übrigens ebenso. Und in Sachen Koalition?

Dass die Groko Chaos kann, hat sie nun ein Dreivierteljahr lang auf das Schönste vorgeführt: Erst unter Qualen zustande gekommen, dann viel mit internem Streit beschäftigt und schließlich mit Wahlniederlagen garniert. 

Eine Art Chaos-Höhepunkt wurde mit der Rückzugsankündigung von Merkel erreicht, von der einst nicht weniger als die Stabilisierung der gesamten westlichen Welt erwartet worden war. Sie selbst hat diese Erwartung stets als absurd zurückgewiesen, musste nun aber erkennen, dass sie zum Ausgangspunkt von Instabilität geworden war. Vor allem in ihrer eigenen Partei drohte der Druck entflammbar zu werden. Ihr Teilrückzug hat die Lage entschärft.

Tatsächlich ist die ganz große Groko-Explosion bislang ausgeblieben, und das lässt sich auch ganz gut erklären. Ein Grund ist natürlich die Angst vor dem großen Nichts jenseits der Regierungskoalition. Diese Angst gibt es auch in der SPD, selbst wenn dort die Furcht vor dem Nichts genau wegen dieser Regierungskoalition bei vielen wohl noch ein bisschen größer ist. Ein anderer Grund ist, dass hinter all dem Wirrwarr mitunter gänzlich unchaotisch und sogar ganz ordentlich regiert wird. Man muss die Projekte der Koalition von der Mütterrente bis zum Baukindergeld nicht alle für genial halten, unbestreitbar aber haben Christ- und Sozialdemokraten vieles aus dem Koalitionsvertrag bereits angepackt. Allein in dieser Woche stehen im Bundestag neun Gesetzesvorhaben auf dem Plan.

 Dass vor allem die SPD ihre Panikreflexe in den Griff bekam und allen Verlockungen von Vorziehen des Parteitags bis Putsch gegen die Chefin widerstand, ist so gesehen schon mal ein gutes Zeichen.

Dass es der CDU bislang gelingt, den Konkurrenzkampf um die Parteispitze als Wettbewerb und nicht als Flügelschlacht zu führen, ebenso. Und wenn nun auch die CSU eine halbwegs geordnete Neuaufstellung schaffen sollte, könnte das Chaos noch einen richtig guten Ruf bekommen. Als Anfang von etwas Neuem zum Beispiel.

politik@lr-online.de