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| 19:04 Uhr

Leitartikel
Was lange währt, wird gut

Stefan Vetter
Stefan Vetter FOTO: Redaktion / LR
Genervte Eltern werden aufatmen. Genauso wie Patienten oder Flugpassagiere. Sie alle bekamen in den letzten Wochen den Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen durch massive Warnstreiks in Kitas, Kliniken und anderswo zu spüren. Nach langem Tauziehen haben sich Gewerkschaften und Arbeitgeber nun endlich auf einen Kompromiss verständigt, sind weitere Arbeitskämpfe abgewendet. Das ist die wohl beste Nachricht am Ende eines spannungsgeladenen nächtlichen Verhandlungsmarathons in einem Potsdamer Hotel. Von Stefan Vetter

Was den konkreten Tarifabschluss angeht, so stand von Anfang an fest, dass die Lohn-Träume der Gewerkschaften niemals komplett in Erfüllung gehen würden. Fordere viel, sonst erhältst du viel zu wenig – nach diesem Muster funktionieren die allermeisten Tarifauseinandersetzungen. Zumal in Zeiten, in denen die Wirtschaft floriert und die Steuerquellen kräftig sprudeln. Trotzdem brauchen sich die Arbeitnehmervertreter nicht zu verstecken. Sie haben das Maximum herausgeholt.

Die Auswirkungen auf Arbeitgeberseite sind zwiespältig. Der Bund kann den Abschluss noch am leichtesten wegstecken. Seinem Haushalt geht es bestens. Durchwachsen ist das Bild bei den Kommunen, die eben nicht durchweg im Geld schwimmen, sondern zum Teil auf hohen Schuldenbergen sitzen. Manche von ihnen dürften versucht sein, die höheren Personalkosten über diverse Gebührenanhebungen wettzumachen. Andere werden bei öffentlichen Aufgaben den Rotstift ansetzen.

Dass die Zuwächse in den unteren Gehaltsklassen prozentual stärker ausfallen, war auch ein politisches Gebot. Wer den Niedriglohnsektor als Treiber von geringen Renten und Altersarmut beklagt, darf sich hier zumindest in seinem unmittelbaren Verantwortungsbereich nicht angreifbar machen.

Das gilt besonders für den zuständigen Bundesinnenminister Horst Seehofer. Redet der Bayer doch immer viel von den Interessen der „kleinen Leute“. Am Ende war dieser Tarifkonflikt auch eine erste große Bewährungsprobe für ihn im neuen Amt in der Bundeshauptstadt. Und Seehofer hat sie durchaus bestanden.