ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:22 Uhr

Kommentar
Der Fluch der reinen Lehre

 Jan Siegel
Jan Siegel FOTO: LR / Sebastian Schubert
Vielen Lausitzern wird die Zornesröte ins Gesicht steigen, wenn sie die Antworten von Reint Gropp im RUNDSCHAU-Interview über die Perspektiven der Region lesen. Von Jan Siegel

Dabei – betrachtet man die reine Lehre – hat der streitbare Wirtschaftswissenschaftler aus Halle natürlich recht. Wer würde bestreiten, dass eine zusätzliche S-Bahn-Trasse in Berlin viel mehr Menschen glücklich machen kann, als der dreispurige Ausbau einer Landstraße in der brandenburgisch-sächsischen Grenzregion.

Aber: Das ist eben auch einer der Gründe, weshalb demokratische Gesellschaften nicht von effizienzverliebten, zahlengesteuerten Wirtschaftsprofessoren geführt werden (dürfen), die im Hauptstudium Volkswirtschaftslehre Musterschüler waren. Wer will, dass eine Gesellschaft – das sind richtige Menschen – nicht einfach emotionslos tickt wie ein Schweizer Uhrwerk, darf auch im Nebenfach „Empathie und Kommunikation“ nicht durchgefallen sein. Hätten Bayern und Baden-Württemberg nur Reint Gropps „reine Lehre“ befolgt, wären weite Landesteile dort heute rückständige Agrar-Regionen. Es geht bei der Förderung der Lausitz um durchdachte finanzielle und infrastrukturelle Impulse für Vorhaben, die Potenzial zur Ausstrahlung haben. Sie geben den Menschen auch in der Provinz zuerst Zuversicht und, darauf fußend, faire Chancen, um mit eignen Ideen ihre Zukunft zu bauen. jan.siegel@lr-online.de